„So viel Freude mit so wenigem“

16.10.17 / 16:19

Ulrike Egartner ist eine beeindruckende Frau. Sie packt an, dort, wo es nötig ist. Und sie reduziert in ihrem Leben ganz vieles, das nicht notwendig ist. Als freiwillig tätige Mentorin eines jugendlichen Asylwerbers hat sie den zwischenzeitlich 18-jährigen Shokrollah, der ursprünglich aus Afghanistan kommt, beim Erwachsen-Werden hier in Vorarlberg begleitet.

„Ich bin generell für das Verbinden, nicht für das Trennen“, erklärt sie, warum sie sich vor zwei Jahren dafür entschieden hat, freiwillig in der Flüchtlingshilfe mitzuarbeiten. „Meine Mutter war an Demenz erkrankt und brauchte meine Unterstützung. Dennoch wollte ich etwas tun und daraus entstand die Idee, als Mentorin für einen jungen Asylwerber einen Beitrag zu leisten.“ Durch den Kontakt einer Freundin kam sie erstmals ins „Haus Said“ der Caritas.

Ihr ist es wichtig, den Kontakt mit Shokrollah „so normal wie möglich“ zu gestalten: „Wir unternehmen regelmäßig gemeinsam etwas, machen Ausflüge, er hilft mir auch mal im Garten, wir fahren Zug oder lernen gemeinsam Englisch. Man muss sich einfach auf die Jugendlichen einlassen und mit ihnen ein Stück weit ihrer Reise gehen. Auch zwischen ihrer Mutter und Shokrollah entwickelte sich ein sehr gutes Verhältnis, „Oma“ hat für ihn einen ganz besonderen Stellenwert. Shokorollah sei ein ganz normaler Pubertierender, mit Prägungen und Erfahrungen, wie die von Vorarlberger Jugendlichen. Mit einer großen Ausnahme: „Die traumatischen Erfahrungen ihres bisherigen Lebens machen sie hingegen zu wahren Überlebenskünstlern.“

Das oft zitierte „Geben und Nehmen“ der Freiwilligentätigkeit kann auch Ulrike Egartner bestätigen: „Es fasziniert mich, wie Shokrollah mit den einfachen Dingen des Lebens zufrieden ist und wie diese ihn glücklich machen“, erzählt sie als Beispiel einen Rodelausflug. „Das hat auch in mir etwas bewirkt und ich sehe bewusster, wie schön unsere Landschaft im Winter ist.“

Ein Ziel des MentorInnenprojektes der Caritas ist, jedem  jugendlichen Asylwerber eine Mentorin, beziehungsweise einen Mentor vermitteln zu können. Auch in anderen Bereichen der Caritas soll das Freiwilligenteam verstärkt werden.

Im Rahmen von vier Info-Abenden berichten Freiwillige über ihre besonderen Erfahrungen und wie der Einsatz die eigene Person prägt. Zudem gibt es ausreichend Gelegenheit zum persönlichen Austausch sowie Tipps zum Thema Freiwilligeneinsätze und Infos, wo Mitmenschen ganz besonders für Begegnung dankbar wären.