Wenn das Maß übervoll ist …

23.10.17 / 15:03

Spätestens im Krankenhaus kommt das bittere Erwachen: Jugendliche, die in Partylaune das „genug“ an Alkohol und illegalen Substanzen nicht erkannt haben und im Vollrausch stationär eingeliefert werden. Tags darauf sind die jungen Menschen meist gequält von den körperlichen Folgen, Verzweiflung und Scham. Dieses Zeitfenster nutzt die Suchtfachstelle der Caritas Vorarlberg vor Ort im Krankenhaus zur Stelle, um mit den Jugendlichen über ihren Alkoholkonsum ins Gespräch zu kommen und sie zu beraten.

„Das Zeitfenster ist sehr kurz, indem die Jugendlichen bereit sind, ein solches Gespräch zu führen, darum kommen wir direkt ins Krankenhaus“, erläutert Monika Chromy, Fachbereichsleiterin der Caritas. Das Projekt basiert auf einer Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Feldkirch und Bludenz.

Auch wenn der Hintergrund ein durchaus ernster ist, kann das Krankenhausprojekt dieser Tage doch das zehnjährige Bestehen „feiern“. 856 Mal wurden junge Mädchen und Burschen nach einer Alkoholintoxikation aufgesucht, sechs von zehn Jugendlichen waren dabei männlich. „Bei knapp einem Viertel der Jugendlichen wurde eine Mischintoxikation festgestellt – etwa die Kombination von Alkohol mit THC  - hier sind die Zahlen in den zehn Jahren gestiegen“, bilanziert Monika Chromy. „Alarmierend ist es auch, wenn die eingelieferten Jugendlichen sehr jung sind, wie es bei einem Elfjährigen der Fall war.“ Und weiter: „Die Wirkung von Alkohol wird oftmals von jungen Menschen unterschätzt, die ihre ersten Erfahrungen damit machen. Die Industrie zielt auch auf die Jugend ab und bringt entsprechend süße alkoholisch Getränke, deren Wirkung es in sich hat.“ Eltern empfiehlt sie generell, offen mit ihren Kindern über Alkoholkonsum und –missbrauch zu sprechen. „Es geht nicht darum, Jugendlichen den Konsum von Alkohol ganz zu verbieten, sondern sie über die Gefahren aufzuklären und sie zu sensibilisieren.“

Bei knapp der Hälfte der Beratungen waren auch Angehörige anwesend. „Ziel des Gespräches ist es, den Umgang mit Alkohol und eventuell anderen Substanzen zu reflektieren, um schlussendlich eine Wiederholung der Situation zu verhindern“, schildert Monika Chromy. „Oft sind unsere Gespräche auch Vermittlungsgespräche zwischen Eltern und Jugendlichen, in denen wir gemeinsam eine Basis finden, die Situation zu reflektieren. Es geht darum, die verschiedenen Sichtweisen aufzuzeigen und zu einer konstruktiven Lösung zu kommen.“

Zahlen und Fakten Krankenhausprojekt der Suchtfachstelle der Caritas

Seit dem Projektstart im Mai 2007 gab es über 856 Kontakte zu Jugendlichen mit einer Alkoholintoxikation.

  • 41 % der eingelieferten Jugendlichen waren weiblich, 59 % männlich.
  • Die Altersspanne lag zwischen 11 und 21 Jahren – die meisten eingelieferten Jugendlichen waren zwischen 15 und 17 Jahre alt.


Beratungsstellen gibt es in Bregenz, Egg, Kleinwalsertal, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz
Kontakt Krankenhausprojekt: Monika Chromy (05522/200-1737, monika.chromy@caritas.at)