Wenn das Zuhause fehlt …

08.11.17 / 15:15

Mann in kurzen Ärmeln sitzt vor Fenster an Tisch und liest ein Blatt Papier.

2.401 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr in der Notschlafstelle am Feldkircher Jahnplatz gezählt, 206 KlientInnen fanden dort vorübergehend eine Unterkunft. Ein Trend zu hoher Auslastung, der sich auch heuer wieder bestätigt. „Bei rund der Hälfte der Klientinnen und Klienten beträgt die Aufenthaltsdauer weniger als vier Nächte“, erklärt Christian Beiser. Maximal 28 Nächte können die Gäste in der Notschlafstelle übernachten.

Diese Zeit wird bestmöglich genutzt, um längerfristige Wohnlösungen für die KlientInnen zu finden. „Wohnungslosigkeit bedeutet meist ein Zusammentreffen vieler Probleme. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist ohne eigene Wohnung nicht vorstellbar. Keine Wohnung mehr zu haben, bedeutet fast immer das Ende sozialer Beziehungen und ein Bruch in der Entwicklung persönlicher Identität. Dem wirken wir gezielt und möglichst rasch entgegen“, weiß Christian Beiser. Durch psychosoziale Betreuung, Beratung und Interventionen sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche werden die individuelle Lebenssituation stabilisiert und konkrete Lösungsansätze gesucht.

Die Probleme der Hilfe suchenden Menschen sind meist so individuell, wie sie selbst. Das können Trennungen vom Partner, Schwierigkeiten im Elternhaus, Suchtprobleme, Wegeweisungen, Mietrückstände oder psychische Probleme sein, auch EU-BürgerInnen auf der Suche nach Arbeit und einer Perspektive fragen um vorübergehende Unterkunft an. „Wir haben auch Gäste in der Notschlafstelle, die untertags arbeiten gehen, die zwar ihre Wohnung, nicht aber ihren Job verloren haben“, nennt Christian Beiser ein weiteres Beispiel. Was sich aber wie ein roter Faden durch das Thema zieht, ist die schwierige Suche nach leistbarem Wohnraum. „In zehn Prozent der Fälle schaffen wir es, binnen der 28 Tage angemessenen Wohnraum zu finden. Die Situation am Wohnungsmarkt spitzt sich aber immer mehr zu.“ Die Lösung ist deshalb aus Sicht der Caritas auch nicht jene, zusätzliche Betten in Notschlafstellen zu schaffen, sondern Maßnahmen zu setzen, die Menschen mit geringem Einkommen ein menschenwürdiges Wohnen ermöglichen.