Begegnungen auf Augenhöhe

20.11.17 / 12:41

Lächelnder älterer Freiwilliger der Caritas in blauer Jacke vor Baum.

Im Haus Noah in Vandans leben Jugendliche verschiedener Nationalitäten unter einem Dach zusammen. All die jungen Männer haben Dramatisches erlebt, jede ihrer Geschichten geht unter die Haut. Und doch verbindet sie eines: Sie sind hier in Vorarlberg fern der Heimat und ohne Familie und hoffen auf eine bessere Zukunft. Dazu ist das Erlernen unserer Sprache ein wesentlicher Faktor. „Einige der Jungs sind totale Analphabeten, andere wiederum haben in ihrer Heimat eine Schule besucht. Die beiden Gruppen, die ich ein Mal pro Woche unterrichte, sind sehr heterogen, dennoch macht es Spaß, mit den Jugendlichen zu arbeiten“, so Erwin Sperger, ehemaliger Direktor und Deutschlehrer in der Polytechnischen Schule Montafon.

 

Kommunikation zur Integration

Bereits in seiner aktiven Zeit als Lehrer war er mit der Situation konfrontiert, bosnische Flüchtlinge in der Schule zu haben, die kein Wort Deutsch konnten. Damals erhielten diese Schüler und Schülerinnen zusätzlichen Sprachunterricht. „Von diesen Erfahrungen von damals profitiere ich heute noch im Unterricht mit den Jugendlichen in Vandans. Ich finde es wichtig, dass sie in erster Linie kommunizieren können. Intensive Grammatik und Fachvokabular kommt später dann automatisch dazu. Höflichkeitsformen, Grußformen oder Fragen stellen zu können sind wichtige Kenntnisse im Umgang mit anderen Menschen. Ziel ist die selbständige Bewältigung des Alltags“, ist Erwin Sperger überzeugt. Die meisten Unterrichtsunterlagen stellt er daher selbst zusammen. Er arbeitet auch viel mit Bildern, Rollenspielen oder Pantomime.  „Einmal unterhielten sich zwei Jungs in meiner Stunde miteinander und es stellte sich heraus, dass sie Griechisch miteinander sprachen“, schmunzelt Erwin Sperger. Schnell war das Rätsel gelöst, denn beiden waren unabhängig voneinander für einige Zeit in einem Flüchtlingslager in Griechenland untergebracht und lernten dort ein wenig die Landessprache.  

 

Helfen aus Überzeugung

Sich ehrenamtlich für diese jungen Menschen zu engagieren, ist für den zweifachen Großvater Ehrensache: „Ich bin mir bewusst, in der glücklichen Situation zu sein, in einer heilen Welt aufgewachsen zu sein und einen sicheren Job gehabt zu haben. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, doch ich habe schon viele Länder kennengelernt, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Ich bin nur ein winziges Zahnrad, denn ich weiß, dass viele viel mehr tun als ich, um Menschen zu helfen.

 

Dennoch sind es genau diese winzigen Zahnrädchen, die ein Uhrwerk zum Laufen bringen. Erwin Sperger, der mit der österreichischen Flüchtlingspolitik scharf ins Gericht geht, ist von der Freiwilligenarbeit überzeugt: „In der Caritas kann sich jeder einbringen, mit den Möglichkeiten, die er oder sie hat. Ich finde die Freiwilligenarbeit extrem wertvoll, denn jede Unterstützung ist besser als nichts zu tun.

 

Wer sich wie Erwin Sperger für seine Mitmenschen engagieren will, ist herzlich zu unserem Informationsabend für Freiwillige in Bludenz am 27.11.2017 eingeladen.