Herberge bieten – nicht nur an Weihnachten

15.12.17 / 08:35

eine Mutter hält ihr Kinder fest in den Armen. Beide tragen ein blaues Oberteil.

Wohnen wird teurer. Für manche Menschen nicht mehr leistbar. Das merkt die Caritas in erster Linie an den zunehmenden Zahlen im Bereich der Delogierungsprävention. Auch Angebote wie die Notschlafstelle, das Haus Mutter&Kind oder das Caritas-Café bieten Herberge, wenn Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen sind.

Das Beispiel von Frau Müller* ist eines, das in der Caritas-Beratungsstelle Existenz&Wohnen immer wieder zu hören ist. Sie lebt mit ihren drei Kindern in einer Mietwohnung. Durch die Trennung von ihrem Mann kam sie in einen finanziellen Engpass. Durch den Auszug fiel sein Einkommen weg – die Miete wurde für sie zu hoch.Rechtlich gesehen hat sie bis zur Scheidung keinen Anspruch auf Wohnbeihilfe, was dazu führte, dass sie die Mieten nicht mehr regelmäßig bezahlen konnte. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung mit dem Ergebnis, dass sie drei Monate Zeit hatte, die Wohnung zu räumen“, führt Stellenleiter Christian Beiser aus. Die Mutter suchte Hilfe bei der Caritas. „Die Delogierung konnte zwar abgewendet werden, die finanzielle Situation hat sich jedoch dadurch nicht gebessert. Wir haben die Frau umfassend beraten, parallel dazu wird sie bei der Wohnungssuche begleitet.“

Nicht mehr leistbare Mietpreise sind auch in Vorarlberg ein großes Thema. Laut Statistik Austria geben VorarlbergerInnen durchschnittlich 25,8 Prozent ihrer monatlichen Einnahmen für Miete, Wohneigentum, Instandhaltung und Energie aus. Für Haushalte mit niedrigen Einkommen liegt der Anteil für die Wohnkosten deutlich darüber, teils deutlich über 50 Prozent. Die Mietpreise sind allein zwischen 2004 und 2015 um über 30 Prozent gestiegen. Vor allem armutsgefährdete Personen müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben, obwohl ihr Einkommen kaum ansteigt oder teilweise sogar sinkt“, macht Caritasdirektor Walter Schmolly bewusst. „Hinzu kommt in Vorarlberg die Schwierigkeit, dass durch die Neuregelung der bedarfsorientierten Mindestsicherung nun grundsätzlich weniger Wohnkosten übernommen werden, was die Situation zusätzlich verschärft.“

Delogierungsprävention

Von insgesamt 3.208 Einzelpersonen und Familien, die im vergangenen Jahr durch die Beratungsstelle Existenz&Wohnen unterstützt wurden, wurde ein Drittel auch zu Wohnthemen beraten. „Diese Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht“, unterstreicht Christian Beiser die Dringlichkeit, hier nach Lösungen zu suchen. In 58 Fällen konnte eine Delogierung erfolgreich verhindert werden. Besonders wichtig ist die Delogierungsprävention auch für die 35 betroffenen Familien mit Kindern, die somit ihr Zuhause behalten konnten.

Wohnungsvermittlung

Im vergangenen Winter richtete die Caritas Vorarlberg einen Appell an Menschen, die über leerstehenden Wohnraum verfügen, diesen zu Mietpreisen, die auch für einkommensschwache Haushalte leistbar sind, zur Verfügung zu stellen. Die Caritas vermittelte hier in 80 Fällen erfolgreich – für die betroffenen Einzelpersonen und Familien bedeutet dies eine enorme Hilfe in einer prekären Situation.

Im Haus Mutter&Kind wieder Halt finden

Babys, Kleinkinder und deren Mütter speziell im Fokus hat auch das Haus Mutter&Kind der Caritas in Feldkirch. Heuer wurden insgesamt 30 Kleinfamilien mit 40 Kindern begleitet. Die Mütter finden dort ein Zuhause, Halt und Unterstützung, bis sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Doch auch hier zeigt sich: Es braucht große Anstrengungen aller Beteiligten, damit die Bewohnerinnen eine leistbare Wohnung finden – alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern haben es hier besonders schwer.

Kälte verschärft die Situation

Herberge finden wohnungslose Menschen auch in der Notschlafstelle der Caritas in Feldkirch. Der momentane Andrang hat nur bedingt mit den sinkenden Temperaturen zu Beginn des Winters zu tun. „Die Kälte verschärft zwar die Situation der von Wohnungslosigkeit Betroffenen zusätzlich, die Betten in der Notschlafstelle werden aber das ganze Jahr hindurch stark nachgefragt“, erläutert Christian Beiser.

2.401 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr gezählt, 206 KlientInnen fanden dort vorübergehend eine Unterkunft, psychosoziale Betreuung, Beratung und Interventionen sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche. Die Möglichkeit des Aufenthalts, zum Wäsche-Waschen und Duschen, sowie Mittagessen bietet schließlich das Caritas-Café. Durchschnittlich 95 Frauen und Männer pro Öffnungstag nutzen dieses Angebot.

„Eine Wohlstandsgesellschaft darf sich nicht daran gewöhnen, dass Menschen keinen angemessenen leistbaren Wohnraum finden. Gerade Weihnachten ruft das in Erinnerung. Es ist und bleibt eine politische Kernaufgabe, für eine entsprechende Gestaltung der Rahmenbedingungen Sorge zu tragen“, so Caritasdirektor Walter Schmolly, und er verknüpft dies mit einer Bitte an die Bevölkerung: „Wir brauchen weiterhin dringend Wohnraum für in Not geratene Menschen.“ Gleichzeitig bedankt er sich bei all jenen Menschen, die sich in diesem Sinne schon engagieren.

Günstiger Wohnraum gesucht!

Wir freuen uns über konkrete Angebote und stehen gerne für Informationen zur Verfügung!

Caritas Wohnraumvermittlung

T 05522 200-1221 (vormittags), wohnungen@caritas.at