„Zukunftsperspektiven vor Ort schaffen“

19.06.18 / 14:29

Lebensmittelverteillung in Afrika

Weltweit sind 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht vor Verfolgung, Gewalt, Konflikten und Menschenrechtsverletzungen. Damit Menschen ihre Heimat erst gar nicht verlassen müssen, gilt es in den Herkunftsländern Zukunftsperspektiven zu schaffen, appelliert MMag. Martin Hagleitner-Huber von der Caritas Auslandshilfe anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni.

Beispiel Äthiopien: Der Anteil der Bevölkerung unter 14 Jahren ist sehr hoch. Der jungen Generation steht in Folge der Digitalisierung scheinbar die ganze Welt offen, andererseits sind ihre Grenzen auf Grund von fehlenden Jobchancen und Perspektiven sehr eng“, erzählt Martin Hagleitner-Huber. „Kaum Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitgestaltung – das hinterlässt zunehmend frustrierte junge Menschen.“ Aus seiner Sicht verschärfen mehrere Komponenten die ohnehin angespannte Lage: „Äthiopien ist zwar eines der ärmsten Länder weltweit, dennoch suchen 800.000 Flüchtlinge aus den Nachbarschaftsstaaten Zuflucht vor Hunger, Krieg und Verfolgung. Boden- und Wasserressourcen werden auf Grund verschiedener Ursachen knapper, das führt zu Konflikten verschiedener Volksgruppen – jüngst etwa zwischen den Bevölkerungsgruppen Guji und Gedeo im Süden Äthiopiens, wo 80.000 Menschen flüchten mussten.“ In dem sie neben der Nothilfe als ersten Schritt in Folge Maßnahmen zur Ernährungssicherung sowie der medizinischen Versorgung für die betroffenen Kleinbauern in die Wege leitet, setzt die Caritas einen sehr wichtigen Hebel an. Eine spezielle Situation sind Dürre oder andere Naturkatastrophen – hier gilt es, möglichst schnell humanitäre Hilfe zu leisten, damit Fluchtbewegungen – die die Situation der geflüchteten Menschen meist zusätzlich verschärfen - erst gar nicht notwendig werden.

Schlagwort ‚Hilfe vor Ort‘

Wir sind gefordert, gemeinsam mit den Menschen vor Ort ihren Lebensraum so zu gestalten, dass sie nicht gezwungen sind abzuwandern“, ist Martin Hagleitner-Huber überzeugt. Im Rahmen der klassischen Entwicklungszusammenarbeit werden in Äthiopien beispielsweise genossenschaftlich organisierte Getreidebanken und damit Lagerressourcen aufgebaut oder lokale Frauengruppen mit Kleinkrediten unterstützt. „Eigentlich hat sich Österreich gemeinsam mit vielen anderen europäischen Staaten eine Selbstverpflichtung auferlegt, 0,7 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, in der Realität erreicht man hier aber maximal 0,3 Prozent“, bedauert der Leiter der Caritas Auslandshilfe.

Start-Up-Kleinkredite

Wie wichtig diese Hilfe vor Ort ist, zeigt sich auch am Beispiel Armenien: Viele syrische Flüchtlinge haben armenische Wurzeln und nachdem sie aus ihrer Heimat flüchten mussten, sind sie trotz der ebenfalls schwierigen Lage in Armenien dorthin geflüchtet. Ein Programm der Caritas zeigt dort Früchte: Kleinkredite wurden als einkommensschaffende Maßnahmen vergeben, viele syrische Flüchtlinge konnten dadurch ein Kleingewerbe gründen, das ihnen zwischenzeitlich die Existenz sichert. Wichtig sei es, so Martin Hagleitner-Huber, dass auch die armenische Bevölkerung Zugang zu dieser Hilfsmaßnahme habe, um Konflikte zu vermeiden. 1.100 Familien haben zwischenzeitlich von dieser Direkthilfe profitiert.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni 2018 appelliert die Caritas  österreichweit an die Bundesregierung, wie angekündigt die Gelder für die Hilfe vor Ort aufzustocken. „Denn wenn die Menschen in ihrem eigenen Land keine Perspektiven haben, machen sie sich auf den Weg“, ist Martin Hagleitner-Huber überzeugt.

Daten und Fakten zu Flucht weltweit:

68,5 Millionen Menschen auf der Flucht
davon zwei Drittel Binnenflüchtlinge
51% aller Flüchtlinge sind Kinder
Die meisten geflüchteten Menschen kommen aus Syrien (41%), Afghanistan (19%) und Südsudan (10%).

  • Eine betroffene Familie in Südäthiopien

    Eine betroffene Familie in Südäthiopien

  • Flüchtlingskinder auf der Missionsstation

    Flüchtlingskinder auf der Missionsstation

  • Verteilung von Nahrungsmitteln (Mehl, Öl)

    Verteilung von Nahrungsmitteln (Mehl, Öl)

  • Durch die Spenden aus Vorarlberg kann aktuell Überlebenshilfe geleistet werden

    Durch die Spenden aus Vorarlberg kann aktuell Überlebenshilfe geleistet werden