Ins jeweils andere Leben eintauchen

20.09.18 / 13:12

Menschen mit Behinderung

Kürzlich trafen sich rund 20 neue Zivildiener der Caritas im Zäwas in Bludenz, um sich mit den SelbstvertreterInnen der Werkstätten über das Leben mit einer Beeinträchtigung auszutauschen.

Denn kaum einer der jungen Männer hatte bisher Kontakt mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Daher nutzten sie nur zu gerne die Möglichkeit, mehr über ihr Leben und das Leben in den Werkstätten zu erfahren. Berührungsängste gab es dabei keine, im Gegenteil, es wurde viel gelacht und aufrichtiges Interesse gezeigt – von beiden Seiten. „Ich hatte bisher mit behinderten Menschen nichts zu tun und bin froh über die Einblicke, die ich hier erhalte“, so zum Beispiel Valentin Hammerl, neuer Zivi bei der Caritas Auslandshilfe.

Geschichten aus dem Leben
Für uns ist das eine wichtige und gute Gelegenheit, das Thema Menschen mit Beeinträchtigung mit jungen Menschen zu besprechen und ihnen das Thema näher zu bringen. Dabei können viele Vorurteile abgebaut und Ängste überwunden werden. Unsere Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter übernehmen diese Aufgabe immer sehr gerne und lassen sich auch voll darauf ein“, so Carmen Amann, Servicestelle und Koordinatorin Selbstvertretung. So erzählte zum Beispiel Manfred Schäfer genannt Manny aus seinem Leben: „Nach einem Unfall 1995, bei dem ich mit dem Kopf auf den harten Beton geknallt bin, stottere ich jetzt stark und vergesse vieles. Früher habe ich mich stark gefühlt und hatte viele Freunde. Doch nach dem Unfall haben sich viele von mir zurückgezogen“, so der gebürtige Montafoner, der leidenschaftlich gerne Computer spielt und Werkstattsprecher in der Werkstätte Montafon ist. Er berichtete auch davon, wie er sich langsam wieder ins Leben zurückgekämpft hat, was die Zivildiener sichtlich berührte. Auch als er erzählt, dass er als Mann mit Beeinträchtigung die Selben Bedürfnisse hat, wie alle anderen auch, kommt viel Verständnis auf.

Neben der Durchführung von Schulungen für Zivildiener setzen sich die gewählten SelbstvertreterInnen für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen ein. Dazu zählt beispielsweise das Recht auf selbstbestimmte Sexualität, was in der Zivildienerschulung auch thematisiert wurde.

Manny spricht im Namen aller anwesenden SelbstvertreterInnen, wenn er ihr Leben beschreibt: „Leider traut man uns meistens viel zu wenig zu, weil wir einfach in vielen Dingen mehr Zeit brauchen.“ Und Carmen Amann bestätigt: „Menschen mit Beeinträchtigungen fühlen sich eigentlich nicht so wirklich behindert, die Gesellschaft behindert sie durch Barrieren in vielen Bereichen". Grund genug, den Zivildienern der Caritas den ganz selbstverständlichen Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung zu ermöglichen. Auch EDV-Zivi Hakan Emik ist von dem Vormittag begeistert: „Ich finde es toll, diese Menschen kennenzulernen und von ihnen zu lernen.