„Die ganze Stadt hat sich mit uns gefreut“

02.10.18 / 09:14

3.800 Kilometer liegt die armenische Stadt Gjumri von Vorarlberg entfernt. Viele VorarlbergerInnen haben dennoch eine enge Verbindung zur Bevölkerung vor Ort. Der Grund: Sie unterstützen „Emils Kleine Sonne“, ein Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen und können sich nun über die Eröffnung einer inklusiven Café-Bäckerei freuen.

Mikael Sayagyan ist voll in seinem Element: Seit Monaten freut sich der 20-jährige auf die Eröffnung „seiner“ Bäckerei im Zentrum der armenischen Stadt Gjumri. Ein richtiger Job, eine Aufgabe, mit der er eigenes Geld verdienen und vielleicht sogar auch seine Familie finanziell unterstützen kann. Er spürt, dass hier nicht sein Down-Syndrom im Vordergrund steht, sondern seine Talente. Vorerst serviert er stolz seiner Mama am Eröffnungstag ein selbstgebackenes Croissant sowie einen Kaffee. Die neue Café-Bäckerei ist ein Meilenstein in der Behindertenarbeit Armeniens und dem entsprechend herrschte bei der feierlichen Eröffnung vergangene Woche Volksfeststimmung.

Die Bäckerei bietet Arbeit und Ausbildung für Menschen mit Beeinträchtigung. Ein barrierefreies Gebäude. Inklusion. Mit „Emils kleiner Sonne“ wurden 2015 westliche Standards in der Betreuung und Therapie von Kindern mit verschiedensten Beeinträchtigungen umgesetzt. „Emils kleine Sonne ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen in ihren Potenzialen gesehen und gefördert werden und von wo aus an der Überwindung von trennenden Barrieren gearbeitet wird“, berichtet Caritasdirektor Walter Schmolly. Auch für die Eltern der Kinder bringt das Zentrum einerseits Entlastung, andererseits aber auch Wertschätzung für die Arbeit, die sie tagtäglich für ihre Kinder leisten.

Es verändert sich durch die Arbeit im Zentrum auch die Wahrnehmung der Stadt“, freut sich auch Robert Moosbrugger, Projektverantwortlicher in der Caritas Auslandshilfe darüber. Mit der Eröffnung der Bäckerei und des Cafés ist für das Zentrum sowie die Caritas Armenien ein weiterer, großer Wunsch in Erfüllung gegangen: „Einige der betreuten Jugendlichen in Emils kleine Sonne sind zwischenzeitlich erwachsen geworden und es stellte sich die Frage, wie wir sie für den Arbeitsmarkt qualifizieren und auch beschäftigen können“, so Moosbrugger. Die „Arekgak Café-Bakery“ – so der offizielle Name – bietet nun bis zu zehn Arbeitsplätze mitten im Zentrum der Stadt. Auch einige Eltern, die auf Grund ihrer Betreuungsverpflichtungen oft Schwierigkeiten haben, am regulären Arbeitsmarkt unterzukommen, fanden in der neuen Bäckerei Arbeit.

Die neue Einrichtung verdankt sich der Zusammenarbeit zwischen der Caritas Armenien und der Caritas Vorarlberg. Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die beide Seiten bereichert. Das Brot, das in der Aregak Bakery geteilt wird, ist dafür ein schönes Zeichen“, so Walter Schmolly. Großteils wurde die „Aregak Bakery and Cafe“ durch Mittel der EU und der ADA errichtet, auch das Land Vorarlberg sowie der Reiseunternehmer Emil Nachbaur haben zur Finanzierung beigetragen. Langfristig wird angestrebt, dass aus den Gewinnen der Bäckerei auch der laufende Betrieb von „Emils kleiner Sonne“ unterstützt wird. Die neue Bäckerei zieht auch EU-weit Kreise: So lobte Piotr Switalski, EU-Botschafter in Armenien, in seiner Eröffnungsrede den innovativen Modellcharakter dieses „Social business“.

„Emils kleine Sonne“

Raiffeisenbank Feldkirch, KtoNr. 40.006, BLZ 37422, IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006, BIC RV VGAT2B422
Verwendungszweck: Emils kleine Sonne
Online-Spenden: www.caritas-vorarlberg.at