Flüchtlinge fördern, nicht hindern

22.10.18 / 13:43

Vorarlberg hat in den vergangenen Jahren bei der Integration geflüchteter Menschen viel geleistet. Dass die bundesweiten politischen Entscheidungen der vergangenen Monate diesbezüglich ein Rückschritt sind, darüber war man sich bei einer Diskussion „Flüchtlinge und ihre Zukunft in Vorarlberg“ vergangene Woche im Jüdischen Museum in Hohenems einig.

Vor allem die Entscheidung der Bundesregierung, dass AsylwerberInnen nicht mehr zu eine Lehrausbildung in Mangelberufen zugelassen werden und Abschiebungen auch bei begonnener Lehre durchgeführt werden, wurde einhellig von allen DiskussionsteilnehmerInnen – Landesrat Christian Gantner, Eva Grabherr (okay.zusammen leben), Bernd Klisch (Caritas Flüchtlingshilfe), Harald Köhlmeier (Präsident Vorarlberger Gemeindeverband) und Anton Strini (Koordinator für die Arbeitsintegration bleibeberechtigter Flüchtlinge) - stark kritisiert. Anton Strini betonte bei der von Hanno Loewy moderierten Veranstaltung die Wichtigkeit, dass für Flüchtlinge Geld für Integrationsmaßnahmen bereitgestellt werden müsse, in der Praxis kürze die Bundesregierung jedoch die finanziellen Mittel stark. Im Besonderen betreffe dies auch geflüchtete Menschen, die auf Grund von psychischen Beeinträchtigungen oder mangelnder Bildung keine qualifizierten Arbeitsplätze übernehmen können. „Hier sind entsprechende Beschäftigungsprojekte gefordert.“ Die in Vorarlberg in den vergangenen drei Jahren intensiv geleistete Integrationsarbeit trägt Früchte, wie Anton Strini berichten konnte: „Das von Experten prognostizierte Integrationsziel, wonach nach zehn Jahren die Hälfte der Flüchtlinge eine Arbeit gefunden haben, wurde in Vorarlberg schon nach drei Jahren erreicht.“ Auch Eva Grabherr hob die positiven Instrumente der Integration, etwa den Anspruch auf Deutschkurse, hervor – diese gelte es zu verteidigen.

Ton ist schärfer geworden
Dass die zusätzlichen Hindernisse bei der Beschäftigung geflüchteter Menschen von weiten Teilen der Bevölkerung nicht getragen werden, zeigten auch die teils sehr emotionalen Geschichten aus dem Publikum über junge Asylwerber, denen die Lehre verwehrt wurde und die sehr darunter leiden. An Christian Gantner gerichtet wurde eingefordert, dass sich die Landespolitiker vehement gegen die einschränkenden Maßnahmen einsetzen sollen. Sehr betroffen zeigten sich die Gäste auch über die Sprache, mit der die Bundesregierung in Bezug auf geflüchtete Menschen kommuniziert. Eva Grabherr warnte davor, dass diese „neue Tonlage“ auch auf die Zivilgesellschaft demoralisierend wirke. Am Schluss der Wunsch des Leiters der Caritas Flüchtlingshilfe, Bernd Klisch: „Vorarlberg hat in den vergangenen Jahren äußerst pragmatisch und mit viel Menschlichkeit diese Herausforderung gemeistert. Dieser Weg muss fortgesetzt werden, das ist der einzig sinnvolle Weg.“