„Es geht um Menschlichkeit“

29.10.18 / 09:43

Rund 300 Freiwillige der Caritas betreuen und begleiten Flüchtlinge in Vorarlberg. Sie stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite und trotzen dem eisigen Wind, der ihnen manches Mal von der Gesellschaft entgegenbläst. Im Rahmen eines stimmungsvollen Abends bedankte sich kürzlich die Caritas bei den zahlreichen freiwilligen HelferInnen, die den Flüchtlingen hier im Land helfen, in der neuen Heimat Fuß zu fassen.

 „Viele von ihnen unterstützen die geflüchteten Menschen beim Deutsch-Lernen, aber auch bei Behördengängen stehen sie hilfreich zur Seite. Sie begleiten diese Menschen bei der Wohnungs- oder Jobsuche und manches Mal entstehen dabei wertvolle Freundschaften. Vor allem beeindruckt mich aber, dass so viele Freiwillige auch drei Jahre nach der intensivsten Phase immer noch helfen“, meint Bernd Klisch, Leiter der Caritas Flüchtlingshilfe. So haben beispielsweise alleine heuer 800 Flüchtlinge einen Job hier im Land gefunden – viele von ihnen mit Hilfe der Freiwilligen.

GeburtshelferInnen für einen neuen Humanismus
Auch Caritasdirektor Walter Schmolly betonte an diesem Abend die Wichtigkeit dieser gelebten Nächstenliebe, die die Freiwilligen tagtäglich leben: „Wenn ich sehe, was ihr Freiwilligen für geflüchtete Menschen getan habt und tut und wie ihr es tut, dann seid ihr zusammen mit vielen anderen Geburtshelferinnen und Vorbilder  eines neuen Humanismus. Ihr ermöglicht den Menschen ein Ankommen in unserer Gesellschaft und begleitet sie auf dem Weg ihrer Integration. Ihr lebt den Dialog, der den Anderen in seiner Andersartigkeit  respektiert. Euer Engagement ist eure Herzenssache, und was von Herzen kommt, verändert die Welt.

Genau dieser Dialog findet die freiwillige Helferin Susanna Mackensen aus Bregenz sehr spannend: „Ich war immer schon sehr offen gegenüber anderen Nationalitäten und finde es wichtig, mit Menschen aus aller Welt auszukommen. Es ist also kein Mitleid, warum ich diesen Menschen helfen möchte, sondern ich finde es spannend, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen und sich auszutauschen.“ Auch Brigitte Wendl begleitet bereits seit drei Jahren Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Integration und betreut derzeit einen jungen Afghanen, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist: „Wir treffen uns jede Woche und lesen gemeinsam. Vor kurzem hat er eine Lehrstelle erhalten und ist begeistert bei der Sache. Er hat mich sogar gebeten, zum Elternabend zu kommen, was mich sehr gefreut hat. Leider hat er kürzlich einen negativen Bescheid erhalten und ich hoffe sehr, dass er trotzdem da bleiben kann.“

Begegnungen die berühren

So wie dem jungen Afghanen geht es derzeit vielen jungen Frauen, Männern und Kindern, die gut integriert sind und um ihren Aufenthalt in Vorarlberg bangen müssen. Viele der Freiwilligen, die an diesem Abend anwesend waren, wissen, wie schwer es ist, wenn plötzlich der Mensch, den sie Wochen oder Monate lang betreut haben, von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben verschwinden und in eine unsichere Zukunft abgeschoben werden. All diesen Personen wurde an diesem Abend auch in Form eines Rituales Raum gegeben, das Caritasseelsorger Norman Buschauer, Flüchtlingsseelsorger Pater Kofi Kodom und Bernd Klisch liebevoll gestalteten.

Meinungen:

Caritasdirektor Walter Schmolly:
„Wenn ich sehe, was ihr Freiwilligen für geflüchtete Menschen getan habt und tut und wie ihr es tut, dann seid ihr zusammen mit vielen anderen Geburtshelferinnen und Vorbilder eines neuen Humanismus. Ihr ermöglicht den Menschen ein Ankommen in unserer Gesellschaft und begleitet sie auf dem Weg ihrer Integration. Ihr lebt den Dialog, der den Anderen in seiner Andersartigkeit respektiert. Euer Engagement ist eure Herzenssache, und was von Herzen kommt, verändert die Welt.“

Pfarrer Elmar Simma:

„Es geht hier immer um Menschen und Schicksale, und nicht, wie in der Politik, um Zahlen und Quoten. Diese Menschlichkeit fehlt mir in der Politik. Unsere Politiker sollten einmal drei Monate ein Praktikum bei uns in der Caritas Flüchtlingshilfe machen und die vielen menschlichen Begegnungen erleben. Und sich berühren lassen, so wie die Freiwilligen sich berühren lassen und eine menschliche Brücke bauen.“

Bernd Klisch, Leiter Caritas Flüchtlingshilfe:
„Viele von ihnen unterstützen die geflüchteten Menschen beim Deutsch-Lernen, aber auch bei Behördengängen stehen sie hilfreich zur Seite. Sie begleiten diese Menschen bei der Wohnungs- oder Jobsuche und manches Mal entstehen dabei wertvolle Freundschaften. Vor allem beeindruckt mich aber, dass so viele Freiwillige auch drei Jahre nach der intensivsten Phase immer noch helfen“,

Freiwilliger Michael Striebel:
„Wir Freiwillige leben jene Solidarität, die die Regierung vermissen lässt.“

Freiwillige Susanna Mackensen:
„Ich war immer schon sehr offen gegenüber anderen Nationalitäten und finde es wichtig, mit Menschen aus aller Welt auszukommen. Es ist also kein Mitleid, warum ich diesen Menschen helfen möchte, sondern ich finde es spannend, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen und sich auszutauschen.“

Freiwillige Brigitte Wendl:
„Wir treffen uns jede Woche und lesen gemeinsam. Vor kurzem hat er eine Lehrstelle erhalten und ist begeistert bei der Sache. Er hat mich sogar gebeten, zum Elternabend zu kommen, was mich sehr gefreut hat. Leider hat er kürzlich einen negativen Bescheid erhalten und ich hoffe sehr, dass er trotzdem da bleiben kann.“