Jede Barriere ist eine zu viel …

27.02.19 / 08:33

Wie barrierefrei ist Feldkirch? Diese Frage stellten sich acht junge dm Lehrlinge gemeinsam mit der youngCaritas. Unter anderem machten sie ihre Erfahrungen praktisch – blind oder im Rollstuhl auf dem Weg durch die Feldkircher Innenstadt.

Doch der Reihe nach: „Aus Erfahrungen lernen“ – das ist das Konzept des youngCaritas Sozialzertifikats. Lehrlinge aus allen Branchen werden über die gesamte Lehrzeit begleitet und erhalten Einblick in die verschiedenen Aufgabenbereiche der Caritas. Vergangene Woche beschäftigten sich insgesamt 54 Jugendliche von dm drogerie markt Österreich unter Federführung von youngCaritas-Mitarbeiterin Katrin Gruber mit sozialen Themen. „Ziel ist es, die sozialen Kompetenzen der Lehrlinge auszubauen und zu stärken.“

Im Rollstuhl durch Feldkirch

Als sehr spannend empfanden acht Teilnehmerinnen die Möglichkeit der Selbsterfahrung, in Form einer Schnitzeljagd die Feldkircher Innenstadt kreuz und quer im Rollstuhl, beziehungsweise als „Blinde“ oder mit einer Höreinschränkung zu erkunden. „Im Alltag denkt man oft gar nicht daran, wie viele Barrieren es für Menschen mit einer Behinderung gibt“, so das Fazit von Julia Pirolt, Lehrlingsbegleiterin bei dm, nach einem für alle Teilnehmerinnen sehr spannenden Vormittag. Sabrina Pattis geht noch einen Schritt weiter: „Auch nur eine Barriere ist eine zu viel!“ Sehr interessiert lauschten die jungen Damen im Anschluss auch beim Gespräch mit Caritasmitarbeiterin Margot Koch, die selbst Rollstuhlbenützerin ist. Sie sprach auch die Barrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen in Zusammenhang mit Behörden an. „Das ist oft ein einziger, großer Dschungel.

Übrigens: Das Sozialzertifikat der youngCaritas umfasst verschiedene Module, die wiederum passgenau für interessierte Firmen angeboten werden können. In Form von Workshops, Aktionen und Reflexionseinheiten werden innerhalb der Lehrlingsausbildung Grundthemen des sozialen Lernens über Begegnungen bearbeitet. Katrin Gruber informiert gerne persönlich (T. 0676/884204020, E. katrin.gruber(at)caritas.at).

Umfrage: Wie hast du die Selbsterfahrung empfunden?

Es ist eigentlich recht anstrengend, sich im Rollstuhl durch Feldkirch zu bewegen, vor allem auf Grund der Pflastersteine in der Fußgängerzone, aber auch durch andere Hindernisse wie Gehsteigkanten und Ähnliches. Ich wäre sehr hilflos, wenn ich mich im Rollstuhl fortbewegen müsste.
Yaren Yüksel

Ich war als Begleitperson unterwegs und es fiel mir anfangs schwer, fremde Leute um Hilfe zu bitten. Dass wir diese Selbsterfahrung machen dürfen, finde ich super. Auffallend ist auch, wie wir von Passanten angeschaut und beobachtet werden, das empfinde ich als unangenehm.
Sandra Lagger

Ich finde, die Selbsterfahrung ist eine super Chance, um zu sensibilisieren. Wir gehen künftig sicherlich bewusster mit dem Thema Barrierefreiheit um. Als Blinde fühlte ich mich recht verloren in der Stadt. Mein Fazit: Auch nur eine Barriere ist eine zu viel!
Sabrina Pattis

Es ist ganz spannend zu beobachten, wie die Leute reagieren, wenn man im Rollstuhl durch die Stadt unterwegs ist. Normalerweise denkt man ja als gesunder Mensch im Alltag nicht darüber nach, wie es mit Handicap ist. Für mich auf alle Fälle eine wertvolle Erfahrung
Demet Karakas