Erste Hilfe in sozialen Notlagen unverzichtbar

27.02.19 / 08:56

Gemeinsam bilden Pfarren und Caritas ein dichtes Netzwerk für Menschen in verschiedenen Notlagen. Am Beispiel Kummenberg zeigt die Caritas im Rahmen eines Pressegesprächs die geleistete Hilfe auf.

Üblich ist der Blick auf’s Ganze - dieser wird aber diesem Thema so nicht ganz gerecht. Es geht hier um Menschen und ihre Einzelschicksale, aber auch um jene Menschen, die sich von dieser Not berühren lassen und Betroffenen zur Seite stehen. Die Aufmerksamkeit für die Not der Menschen am Ort zählt zum grundlegendsten Auftrag einer Pfarrgemeinde. Ebenso das konkrete einander Beistehen in Notlagen. Um das zu verdeutlichen, wollen wir heute den Blick auf der Vorarlbergkarte fokussieren und in eine konkrete Region blicken. Wir möchten aufzeigen, wie wichtig das nachbarschaftliche Netz ist und welchen Beitrag hier Caritas und Pfarren vor Ort leisten:

Über 27.000  Einwohnerinnen und Einwohner zählt die Region Kummenberg mit ihren Gemeinden Götzis, Altach, Koblach und Mäder. Das sind in Relation mit der Gesamtbevölkerung Vorarlbergs rund sieben Prozent. 672 Menschen haben im vergangenen Jahr konkrete Hilfe in ihrer individuellen Notlage direkt durch die Caritas erfahren. Zudem leisteten Freiwillige in den Pfarren und der Caritas 8.634 freiwillige Einsatz-Stunden, um Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen, ihnen Halt und Hilfe im Lebensalltag zu geben, Einsamkeit zu lindern und die Hoffnung zu stärken, wieder auf die eigenen Beine zu kommen. 

Leistungen von Caritas und Pfarren speziell in der Kummenberg-Region:

  • 31 Kinder erhielten durch ein kompetentes Team an Freiwilligen im Lerncafé Götzis intensive Unterstützung bei ihren Hausaufgaben und damit die Chance auf einen positiven Aufstieg in die nächste Schulstufe.
  • 61 lebensbedrohlich erkrankte Menschen wurden durch ehrenamtliche HospizbegleiterInnen am Ende ihres Lebens, beziehungsweise Angehörige in ihrer Trauer begleitet.
  • Auch der Einsatz in den Pfarren ist eine wichtige Antwort auf soziale Nöte unserer Zeit – etwa gegen Einsamkeit oder Überforderung.
    - 58 Freiwillige Sozial- und Integrationspaten leisteten hier 4.954 Stunden
    - 50 SozialkreismitarbeiterInnen waren 3.680 Stunden im Einsatz
    - 82 AslywerberInnen unterstützten in 321 Stunden mit Hilfstätigkeiten Menschen in ihrem      erschwerten Lebensalltag. 422 Frauen, Männer und Kinder wurden aufgrund von                          Schicksalsschlägen und in Notlagen speziell begleitet und auch finanziell unterstützt.
  • In 28 Familien konnte Dank Unterstützung der Caritas-Familienhilfe der Lebensalltag trotz - meist Krankheit und Erschöpfungszustand der Mütter - aufrecht erhalten werden.
  • Für 95 Frauen und Männer mit schweren Alkoholerkrankungen wurden individuelle Lösungsansätze erarbeitet und aktiv auf dem Weg aus ihrer Sucht begleitet.
  • 35 Frauen und Männer ohne Arbeit erhielten im carla Möslepark Arbeit und längerfristig die Chance, wieder in den regulären Arbeitsmarkt einzusteigen.
  • 77 geflüchtete Menschen haben derzeit in Altach, Götzis, Mäder und Koblach ein vorübergehendes Zuhause gefunden und warten auf den Entscheid in ihrem Asylverfahren.

Wir erleben in unserer täglichen Arbeit, dass nicht alle Menschen mit den Herausforderungen unserer Zeit mithalten können. Es braucht deshalb Mitmenschen, die erste Hilfe in sozialen Nöten leisten, so Ingrid Böhler, Leiterin des Fachbereichs Pfarrcaritas und Sozialräumliches Handeln.“ Als Kirche und Caritas sind wir besonders gefordert, es geht uns vor allem darum, soziale Barrieren zu überwinden und Hilfe zu gestalten. Das verbindet uns, dafür setzen wir uns ein, in den Pfarren, Gemeinden und in der Caritas. 

Zu einem soliden sozialen Netz im Land beizutragen, ist Kernauftrag der Caritas. „Den Zusammenhalt in der Gesellschaft aktiv durch unsere Arbeit zu stärken, ist mir darum ein wichtiges Anliegen, um für ein „gutes, chancengerechtes, nachbarschaftliches Leben“ für alle in diesem Land mitwirken“. Dies gelingt nur, wenn wir vor Ort eng mit den Gemeinden, Pfarren und anderen sozialen Trägern zusammenarbeiten“, zeigt sich Michael Natter, Caritas Fachbereichsleiter Soziale Beratung und Begleitung, überzeugt, dass im Miteinander den Betroffenen am besten geholfen werden kann. 

Die Pfarrgemeinden erleben derzeit große Veränderungen. Den Kontakt zu den Menschen zu halten, ist dabei etwas vom wichtigsten. Das Netzwerk der sozialen Verbundenheit und das soziale Engagement bilden eine wichtige Basis, auf der aufgebaut werden kann. Die Haussammlung ist für diese Dinge ein wesentlicher Faktor: Sie bringt das Thema auf die Tagesordnung der Gremien, schafft Kontakte, macht die Pfarren in sozialen Fragen sozial und inhaltlich handlungsfähiger. Sie ist eine wichtige Beziehungspflege zur Diözesancaritas, die dann an vielen Stellen hilfreich ist und macht sowohl die Not als auch die kirchliche Hilfe sichtbar.

"Diese soziale Dimension ist ein wichtiger Eckpfeiler für Pfarren in der heutigen Zeit auch wenn es uns aufgrund der Entwicklung herausfordert - muss unser Blick doch auch immer frei sein, um die Not von Menschen wahrzunehmen und fähig zu sein, darauf zu reagieren“, unterstreicht Pfarrer Erich Baldauf wie bedeutet diese Funktion von Pfarre sei.

Erste Hilfe in sozialen Nöten ist dabei definitiv kein Selbstläufer. Es braucht immer wieder aus Neue Energie und Motivation sowie Hilfsmittel und die Schulung von Menschen im Umgang mit sozialen Nöten. Neben einer raschen ersten Hilfe ist ebenso ein solides soziales Netzwerk wichtig. Die Caritas trägt gemeinsam mit den Pfarren vor Ort Sorge, dass dieses Netz Menschen auffängt. Denn wer rasch hilft, hilft doppelt.  

Erste Hilfe bei sozialen Nöten wird maßgeblich durch die Hilfsbereitschaft von Spenderinnen und Spendern mit ermöglicht. Mehr Rückhalt bedeutet mehr an Unterstützungsmöglichkeiten. Die HaussammlerInnen sind hier im März ehrenamtlich unterwegs und BotschafterInnen des Caritas-Anliegens: Vergessen wir niemals Menschen in Not in unserem Land und dass ein soziales Netz sowie die Aufmerksamkeit füreinander auch jedem/jeder einzelnen von uns zugute kommen kann.