Thema Wohnen wurde zum „sozialen Brennpunkt“

08.04.19 / 08:43

Das Thema „Wohnen“ und damit verbunden leistbarer Wohnraum wird gerade für Menschen mit wenig Einkommen zu einem zunehmend größeren Problem. Im Rahmen eines Expertenhearings in Dornbirn lud die Caritas zum Dialog. Die zentrale Frage dabei: „Gibt es ein Recht auf Wohnen?“

Wohnungsnot ist zu einem sozialen Brennpunkt im Land geworden. Was wir an unseren Beratungsstellen tagtäglich merken ist, dass auch zunehmend Kinder betroffen sind“, ließ Caritasdirektor Walter Schmolly gleich zu Beginn des Expertenhearings aufhorchen. Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum gestalte sich viel mehr als „Marathon denn als Spaziergang“. Michael Hämmerle von der ARGE Wohnungslosenhilfe unterstrich mit Zahlen diese Erfahrungen: In einer Erhebung im Oktober 2018 wurden 1111 „Fälle“ –  Einzelpersonen und Familien mit insgesamt 1.920 Frauen, Männer und Kinder – die bei den verschiedenen Einrichtungen um Unterstützung angefragt haben, erfasst. Bei 832 Fällen war Wohnungsnot ein großes Thema. Besonders erschreckend: In den betroffenen Familien leben auch 549 Kinder. Finanziell ins Trudeln geraten die Haushaltsbudgets armutsgefährdeter Familien sehr oft durch nicht leistbare Mieten: Knapp ein Drittel der Befragten gab an, mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens für Wohnen auszugeben.

„Betroffene haben keine Lobby!“
Leistbarer Wohnraum ist kein Randthema mehr“, unterstrich auch Claudia Mahler, Juristin am Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin. Aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtend erläuterte sie, dass Wohnen sehr wohl ein Menschenrecht sei und verwies auf einen Pakt über der Vereinten Nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der BürgerInnen: „Der Staat muss besonders verletzliche Gruppen fördern. Nur passiert das in den meisten europäischen Staaten nicht. Und es betrifft Menschen, die keine Lobby haben.

Menschenunwürdiges Wohnen

Mit Spannung verfolgt wurden von einem sehr „breiten“ Publikum mit SozialarbeiterInnen, ArchitektInnen, PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen, VertreterInnen von Wohnbauträgern und MitarbeiterInnen von Landes- und Gemeindeverwaltung auch die Ausführungen der Wiener Sozialwissenschaftlerin Evelyn Dawid: Sie erstellte im Auftrag des Sozialministeriums eine Studie zum Thema Wohnungslosigkeit. „Wohnungslosigkeit ist eine der extremsten Formen von Armut, weil Betroffene im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen ungeschützt sind.“ Mietkosten und Betriebskosten seien im vergangenen Jahrzehnt stärker gestiegen, als die Inflation sowie die sozialen Unterstützungssysteme. Das bringe mit sich, dass in der Not immer mehr Menschen in immer kleineren Wohnungen leben, was wiederum Gewalt und Konflikte fördere. Auch Evelyn Dawid bestätigte: „Die Leidtragende sind sehr oft die Kinder. Sie haben beispielsweise schlicht zu wenig Platz, um in Ruhe ihre Hausübungen zu machen, was ihnen wiederum Bildungschancen raubt.“ Die Hilfsorganisationen können hier nur sehr bedingt Hilfe leisten. „Sie können oft auch bei größtem Einsatz nichts machen, weil es den leistbaren Wohnraum in diesem Ausmaß nicht gibt.

Lösungsansätze wurden im Anschluss an die Vorträge auch in Kleingruppen diskutiert. „Den Ertrag dieses ExpertInnengesprächs sehe ich in drei Punkten: Wir haben erstens eine präzisere Wahrnehmung prekärer Wohnsituationen auch in Vorarlberg gewonnen.  Zweitens bringt die Perspektive des Menschenrechts auf Wohnen in die Diskussion eine wichtige orientierende Kraft ein. Und drittens eröffnet die Vernetzung der vielen Akteure und der unterschiedlichen Zugänge neues gemeinsames Lernen“, resümiert Caritasdirektor Walter Schmolly.

Aktuelle Wohnsituation in Vorarlberg

Um sich dieser Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern, haben wir zu einem ExpertInnenhearing eingeladen. Im Interview mit unserem Caritas Direktor Walter Schmolly erklärt er, welche Rechte wir für das Wohnen haben.

Es soll zum einen der Frage nachgegangen werden, mit was für Schwierigkeiten armutsgefährdete Personen hinsichtlich adäquatem Wohnraum in Vorarlberg zu kämpfen haben.