Sozialpaten-Geschichten: „Khadra“

07.05.19 / 08:41

Das erste Treffen
Allerdings hatte ich ziemlichen Respekt vor der Aufgabe mit einer jungen somalischen Frau Deutsch zu lernen. Ich kann mich noch genau erinnern als mich Claudia zu einem ersten Treffen mit Khadra mitnahm. Ich war total gespannt, recht nervös und ziemlich unsicher was da so auf mich zukommen könnte. Kann ich überhaupt mit Menschen aus solch fremden Kulturen umgehen? Wie kann ich mit jemandem, der kein Deutsch spricht, eine Beziehung aufbauen? 

 

Deutsch im Bett und auf dem Boden

Khadra lebte in einem wirklich sehr kleinen, ziemlich schäbigen Zimmer, da gab es keinen Tisch und keinen Stuhl. Einer meiner ersten Gedanken war: Wo sollen wir denn da Deutsch lernen? Irgendwie ging es dann doch. Ich bin auf dem Bett gesessen und Khadra auf dem Boden. Obwohl die Caritas 2 Stühle organisiert hat, ist Khadra trotzdem lieber vor mir auf dem Boden gesessen, wie es anscheinend in ihrem Land üblich ist. 

 

Beziehungsaufbau ohne Worte

Anfangs hat Khadra kaum gelacht und war sehr zurückhaltend. Nachdem sie Vertrauen zu mir aufgebaut hat, hat sie mich jedes Mal mit einem Lächeln und einer Umarmung begrüßt. Es war für mich schön zu spüren, wie sich langsam eine Beziehung zwischen uns aufbaut. Es war zwar kaum eine verbale Kommunikation möglich – Khadra war Analphabetin und ist nie in die Schule gegangen – wir mussten uns auf kleine Gesten wie Lächeln, kurze Berührungen und auf die Standardfrage von mir beschränken: „Khadra, wie geht es dir?“ Worauf sie immerhin antworten konnte, gut, schlecht oder so lala. 

 

Sprachlose Situationen

Mir ist in solch sprachlosen Situationen so richtig klar geworden, was Sprache für Menschen bedeutet. Ich habe mich mit Khadra nicht unterhalten können, aber so viele Fragen gehabt: Wie geht es dir wirklich? Was kann ich noch für dich tun? Wie hast du in Somalia gelebt? Wie hast du es geschafft ganz alleine von Somalia nach Österreich zu flüchten? Was hast du auf der Flucht erlebt? ….

 

Khadra, Absame und Sagal

Ein junger somalischer Mann namens Absame, den Khadra in Traiskirchen kennengelernt hat, hat Khadra in ihrem Alltag unterstützt. Ich habe mich mit Absame auf Englisch unterhalten, so haben wir gemeinsam die wichtigsten behördlichen Dinge erledigen können. Inzwischen lebten Khadra und Absame zusammen in einer kleinen Wohnung, die ich an sie vermietet habe. 

Sie waren beide glücklich, dass sie gemeinsam in einer schönen Wohnung leben können. Sie sind nach „somalischem Recht“ verheiratet, das bedeutet sie haben telefonisch das Einverständnis beider Familien eingeholt. Voller Stolz haben sie uns zur „Hochzeit“ eingeladen und für uns gekocht. Es war für uns alle ein toller bereichernder Abend. Inzwischen haben sie auch eine kleine süße Tochter, Sagal, bekommen. 

 

Es macht mich froh, dass ich ein Teil dazu beitragen konnte!

Wenn ich an die drei denke, besonders an den so schwierigen Lebensweg von Khadra, habe ich die Hoffnung, dass sie sich in Österreich ein neues, vielleicht auch glückliches Leben aufbauen können. Es macht mich froh, dass ich einen Teil dazu beitragen konnte!

Anmerkung der Redaktion: die Namen wurden geändert und sind frei erfunden, die Geschichte ist wahr.