Seyma, das glückliche „Kind“

10.05.19 / 10:04

Im Rahmen eines Freiwilligen sozialen Jahres arbeitet die 20-jährige Seyma Özcelik seit November 2018 als Praktikantin beim Mobilen Hilfsdienst in Rankweil. Hier kann die junge Frau erste Erfahrungen im sozialen Bereich sammeln – und scheint damit genau das Richtige für sich gefunden zu haben.

Nachmittags im Haus des Krankenpflegevereins in Rankweil: Zahlreiche SeniorInnen sitzen bei Kaffee und Kuchen zusammen, spielen Karten oder lesen in einer Zeitung. Inmitten dieser bunten Gruppe huscht Seyma Özcelik hin und her, serviert Kaffee, hält hier und da ein Schwätzchen, hilft bei verschiedensten Tätigkeiten – immer freundlich und mit einem strahlenden Lächeln. „Das glückliche Kind ist wieder da“, freut sich einer der Besucher, der regelmäßig an der Nachmittagsbetreuung teilnimmt. Und tatsächlich scheint Seyma mit ihrer Aufgabe als Praktikantin im MOHI für sich das große Los gezogen zu haben. „Ich wusste nach der Matura nicht genau, in welche Richtung meine Ausbildung gehen soll und schaute mich nach einer Praktikumsstelle über das Freiwillige Soziale Jahr der Sozialen Berufsorientierung um“, so die sympathische Dornbirnerin.

Berührende Momente
Erfahrung im Umgang mit älteren und pflegebedürftigen Menschen konnte die türkischstämmige Seyma schon zuhause sammeln: „Meine Mutter, meine Schwestern und ich haben uns abwechselnd um die Oma gekümmert, die bei uns im Haus gelebt hat. Für mich ist das ganz normal und ich habe überhaupt keine Berührungsängste mit alten Menschen. Auch kümmert sich meine Mutter immer wieder um alte Menschen in ihrem Umfeld.“ Seyma erlebte in ihrer bisherigen Zeit als vorarlbergweit erste Praktikantin beim MOHI, viele lustige, aber auch berührende Momente, die sie aber nicht gerne erzählt, um die Privatsphäre der Menschen zu wahren: „Eine Frau hat mir einmal von einem Weihnachtstag im Zweiten Weltkrieg erzählt, an dem ihr Vater erschossen wurde. Sie war damals fünf und verbindet auch heute noch mit Weihnachten nur schmerzliche Gefühle. Solche Geschichten berühren mich und es macht mich stolz, dass diese Menschen mir das anvertrauen.“

Frischer Wind
Für Daniela Kessler, Einsatzleiterin beim MOHI Rankweil und Leitung der Nachmittagsbetreuung, ist Seyma eine wertvolle Unterstützung: „Sie bringt viel frischen und jungen Wind mit ins Team und zu den KlientInnen, wovon wir alle profitieren. Sie arbeitet verlässlich und eigenverantwortlich, erledigt alle Aufgaben super und hat einen tollen Umgang mit Menschen.“ Ihr Aufgabenbereich ist vielfältig: Von Frühstück vorbereiten bei KlientInnen, über Staubsaugen oder Einkaufen gehen für die KlientInnen ist alles dabei. Auch Fahrdienste übernimmt die ehemalige Maturantin immer wieder. Doch am liebsten ist sie bei der Nachmittagsbetreuung drei Mal in der Woche dabei. „Ich bin so froh, dass ich diese Stelle hier bekommen habe. Alle sind so nett und die Aufgaben, die ich zu erledigen habe, sind vielseitig und machen Spaß. Ich würde das jederzeit wieder machen und kann dieses Praktikum hier sehr empfehlen. Und für die junge Frau ist klar, dass ihre beruflich Zukunft auch im Sozialbereich bleiben wird!

Auf dem richtigen Weg
„Dass wir mit diesem Projekt auf dem richtigen Weg sind, zeigt der Umstand, dass nach diesem Freiwilligen Sozialjahr über 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Ausbildung im Sozialbereich absolvieren. Erfreulich ist auch, dass sich immer mehr junge Männer für ein Freiwilliges Sozialjahr entscheiden, da dies auch als Zivildienst anrechenbar ist“, so die Geschäftsführerin der Sozialen Berufsorientierung Vorarlberg, Elisabeth Geser.

Kontakt:

Soziale Berufsorientierung Vorarlberg
Geschäftsführerin/Projektleiterin Elisabeth Geser, T 0664/8240141,  elisabeth.geser(at)sbov.at
www.sozialesjahr.at