„Ich entscheide selbst – es ist mein Leben!“

23.05.19 / 15:40

Mit einem Gedicht aus eigener Feder begann kürzlich Selbstvertreterin Melanie Corn aus ihrem Leben zu erzählen. Berührend und eindrücklich schilderten sie und ihre drei KollegInnen, die allesamt gewählte SprecherInnen und SelbstvertreterInnen der Caritas Werkstätten sind, beim Donnschtig-Café im Zäwas in Bludenz, wie sie ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen managen. 

„Es ist nicht leicht, selbstständig zu leben, wenn man eine Behinderung hat. Ich lebe mit noch einer Frau zusammen in einer Wohnung, aber regelmäßig kommt eine Assistentin von der Caritas, die uns hilft“, so die 38-jährige Bludenzerin Melanie Corn. Seit rund einem Jahr besucht sie neben ihrer Arbeit im Sprungbrett Lädele ein Mal pro Woche ältere Menschen im Senecura Pflegeheim in Bludenz, wo auch ihre Oma gelebt hat: „Ich habe jetzt ein richtiges eigenes Aufgabengebiet und bekomme viel Anerkennung für meine Arbeit“ freut sich die junge Frau über ihren Außenarbeitsplatz. Auch Klaus Girardi ist Selbstvertreter und Werkstättensprecher in der Werkstätte Ludesch, gewählt von allen Menschen mit Beeinträchtigung, die in der Werkstätte arbeiten: „Wir haben viele Sitzungen und Kurse und ich bin auch bei der Zivi-Einschulung, bei der wir das Thema Menschen mit Beeinträchtigung mit den neuen Zivis besprechen, immer gerne dabei.“ Begeistert erzählt er von seinem Außenarbeitsplatz in einer Gärtnerei und seinem Leben mit seiner Mutter und seiner Schwester, mit denen er zusammenlebt. Gemeinsam mit seinen drei KollegInnen forderte er kürzlich bei einer Stellenleitersitzung mehr Mitsprache bei Entscheidungsprozessen in der Caritas ein. Ein Anliegen, das Caritas-Mitarbeiterin Carmen Drexler, der die Unterstützung der Selbstvertretungsgruppe obliegt, nur allzu gerne unterstreicht: “Wir beziehen die gewählten Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter stets von Beginn an in Entscheidungsprozesse ein. Es ist sicherlich eine herausfordernde, aber durchaus lohnende Herangehensweise. Und wir merken, dass sie dadurch mittlerweile sehr selbstbewusst auftreten und agieren.“

Plötzlich ist alles anders
Auch Alexander Raggl (Werkstattsprecher WS Bludenz) und Manny Schäfer (Werkstattsprecher Werkstätte Montafon) meistern ihr Leben annähernd selbständig und genießen ihre Freiheit. Alexander Raggl: „Ich mache in meiner Wohnung alles und bin froh, dass ich nicht mehr in einer WG lebe, sondern selbständig leben kann. Ich muss niemanden etwas fragen und kann alles selbst entscheiden. Das ist das wichtigste für mich. Und jetzt freue ich mich auf meinen Urlaub, in dem ich mit meinen Freunden und meiner Freundin nach Spanien fliege.“ Besonders berührend waren die Erzählungen von Manny Schäfer, der erzählte, wie es zu seiner Beeinträchtigung kam: „Nach einem Unfall als Jugendlicher lag ich ein Jahr im Koma. Insgesamt war ich drei Jahre außer Gefecht.“ Der Weg zurück war schwierig, mit vielen Therapien und Arztbesuchen. „Motiviert hat mich damals mein Kater Jimmy, zu dem ich unbedingt wieder nach Hause wollte.“ Als Selbstvertreter hat Manny, der jeden Tag von Bludenz nach Schruns in die Werkstätte pendelt, immer ein offenes Ohr für seine KollegInnen: „Ich habe viel gelernt, wie man anderen helfen kann und werde auch oft um meine Meinung gefragt. Ich liebe Computerspiele und fliege gerne weit weg, zum Beispiel Griechenland, Spanien oder Afrika.“ Noch immer spricht Manny sehr gut Englisch, das er noch in der Zeit vor seinem Unfall gelernt hat.

Nächstes Donnschtig-Cafe im Zäwas

Thema: „Frauen in der Bibel“ - Impuls und Gespräch mit Sr. Marcellina, Kloster St. Peter

 

Wann: 13.6.2019, 9.30 Uhr

Wo: Zäwas, Kirchgasse 8, Bludenz

Kontakt: donnschtigcafe@caritas.at, T 0676-88420 4011