Caritas zieht Jahresbilanz: Soziale Sicherheit schaffen wir nur gemeinsam

11.06.19 / 08:22

Mit einer Vielzahl an Beiträgen leistet die Caritas viel für die soziale Sicherheit im Land. Das nützt allen, denn ein wirksames soziales Netz fängt Risiken in Notsituationen auf, schafft Teilhabe für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und sichert den sozialen Frieden im Land. Der druckfrische Wirkungsbericht der Caritas zeigt das breite Spektrum an Hilfen anschaulich auf. Auch für die Zukunft ist die soziale Sicherheit kein Selbstläufer, es braucht die gemeinsame Anstrengung von allen.

„Gerade in bewegten Zeiten zählt es in einer Gesellschaft umso mehr, dass alle Menschen sich sozial gut abgesichert wissen“, sagt Caritasdirektor Walter Schmolly. „Das ist nur in einem großen Miteinander zu schaffen. Die Caritas hat dazu 2018 einen wichtigen Beitrag geleistet und wird es auch weiterhin tun.“
Der Fokus für den Rückblick auf das vergangene Jahr der Caritas-Arbeit liegt deshalb diesmal auf der sozialen Sicherheit. Angst vor dem sozialen Abstieg oder die Sorge, nicht mehr mit den Leistungserfordernissen mithalten zu können, belasten Menschen und gefährden zudem das gesellschaftliche Klima und die grundsätzliche Bereitschaft für den sozialen Zusammenhalt aktiv einzustehen. „Es ist deshalb eine ganz wesentliche Frage unserer Zeit, welche Maßnahmen helfen, uns in einer sich zunehmend unsicher anfühlenden Welt miteinander gut aufgehoben zu erleben.“ In diesem Horizont leistet die Caritas als verlässliche Wirkkraft im Lande ihre Beiträge und richtet in ihren Aktivitäten ihr Augenmerk besonders auf folgende Aspekte:

  • Soziale Beziehungen: Die Menschen, auf deren Wohlwollen man sich verlassen kann, in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz – sie sind eine ganz wesentliche Basis für die soziale Sicherheit eines Menschen. Dieses Beziehungsnetz des sozialen Zusammenhalts zu stärken war und ist ein ganz wichtiges Anliegen der Caritas. In all unseren Tätigkeitsfeldern sind wir bemüht, dieses Netz der Aufmerksamkeit und der Solidarität vor allem für jene Menschen zu stärken, denen dieses Netz aus eigenem Zutun nicht ausreichend zur Verfügung steht.
  • Zuversicht: Mit all den Bemühungen der Caritas von den Lerncafés über Schulprojekte in Äthiopien, den Carla-Projekten bis hin zur Integrationsbegleitung von geflüchteten Menschen sollen Menschen, in deren Leben es eng geworden ist, wieder Räume der Potenzialentfaltung erhalten und damit wieder Zuversicht und Sicherheit gewinnen.

  • Strukturelle Absicherung der Grundrisikosituationen des Lebens: Von Krankheit über Arbeitslosigkeit bis hin zur letzten Lebensphase: Viele Angebote der Caritas dienen dieser Absicherung, angefangen vom Haus Mutter&Kind über die Suchtberatung  und –therapie bis hin zur Hospizbegleitung.

Besondere Entwicklungen zum Vorjahr

  • Deutlich gesunkene Personenzahlen in der Grundversorgung von Flüchtlingen führten zu einem starken Rückbau in der Flüchtlingshilfe, welcher auch im laufenden Jahr weiter fortgesetzt wird. Die Aufwendungen für die Flüchtlingshilfe haben sich 2018 gegenüber dem Vorjahr um 20% reduziert.

  • Die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigungen konnten erweitert werden - Signal dafür ist auch die Neu-Ausrichtung des Fachbereichs auf die Rolle „Assistenz & Teilhabe“.

  • Die Kostensteigerungen für den Grundbedarf an Wohnen schlagen auch deutlich in den Beratungs- und Hilfestatistiken der Sozialen Beratung und Begleitung durch. Inzwischen gilt diese Problemlage bei über einem Drittel der Anliegen als Hauptgrund für die Notsituation.


Keine Steigerungen bei Umsatz

  • Der Umsatz hat sich gegenüber 2017 um 3,6% reduziert. Gut 90% der verfügbaren Mittel wurden in Vorarlberg verwendet, knapp 10% in der Auslandshilfe.

  • Die Finanzierung erfolgte 2018 zu 24% aus Spenden, kirchlichen Beiträgen und Eigenerwirtschaftung, zu 18% aus Subventionen der öffentlichen Hand und der Diözese und zu 58% aus Entgelten für Dienstleistungen im Auftrag der öffentlichen Hand.

  • Die Kosten für Spendenwerbung und –verwaltung lagen bei unter 8 Cent pro Spenden-Euro.

  • Unterm Strich blieb 2018 eine schwarze Null mit zweckgewidmeten Rücklagen in Höhe von 0,5% des Umsatzes (247.000 Euro).


Soziale Sicherheit kein Selbstläufer
„Soziale Sicherheit und Zusammenhalt sind auch in unserem Land keine Selbstläufer. Sie müssen fortlaufend genährt und gefördert werden“, so Caritasdirektor Walter Schmolly. Als Orientierung worauf ein Augenmerk zu richten ist, nennt er vier besondere Akzente:

  • Erstens möchte ich darin bestärken, welche Bedeutung das Pilotprojekt Le.Na „Lebendige Nachbarschaft“ für die Entwicklung in den Gemeinden haben kann, um ortsspezifische und praxisnahe Antworten auf die wachsende Herausforderung der Einsamkeit – besonders älterer Menschen – zu geben.

  • Zweitens intensivieren wir die Unterstützung von Kindern aus einkommensschwachen Familien, damit sie ihre Schullaufbahn schaffen und so nicht schon als Kind um ihre Chancen und Perspektiven umfallen. Wir werden neue Lerncafés an drei zusätzlichen Standorten starten. Diese Lerncafés sind, wenn es um die Chancengerechtigkeit für Kinder aus einkommensschwachen Familien geht, hoch wirksame und erfolgreiche Einrichtungen.

  • Drittens meinen wir, dass eine Stärkung des sozialen Zusammenhalts letztlich  auch eine Stärkung der Gesprächskultur erfordert, und das auf allen Ebenen von der Politik bis zum Gespräch zwischen Menschen - gerade wenn sie unsere Welt und ihre Entwicklung derzeit so unterschiedlich erleben. Das Engagement der Caritas zielt auch auf die Sensibilisierung für sozial wichtige Themen ab. Konkret in den nächsten Monaten noch durch die Caritas-inatura-Ausstellung „Wir essen die Welt“. In unserem global village gibt es soziale Sicherheit auch für uns hier in Vorarlberg nur dann, wenn wir weltweit gemeinsam für deutlich nachhaltigere Entwicklungen engagiert sind. Denn selbst mit jeder Mahlzeit entscheiden wir, wie sich unser Planet entwickelt. In diesem Sinne ist die Ausstellung, die noch bis Anfang September läuft, ein Handlungsimpuls in Richtung einer Welt, in der wir nicht auf Kosten von anderen leben.


Projekt LE.NA

„In den vergangenen Jahren ist zunehmend zu beobachten, wie sehr Einsamkeit und soziale Isolation immer mehr Menschen bedrücken und wie es deutlich negativ auf ihr Befinden einwirkt“, so Ingrid Böhler, Leiterin der Pfarrcaritas. Nimmt man die statistischen Zahlen zur Hand, so bestätigt sich dieser Erfahrungswert: 1971 lebten in Österreich nur 17,3 Prozent allein in einem Haushalt. 2017 waren es schon 33,2 Prozent. Für Vorarlberg sind für 2018 33,5 Prozent statistisch als Singlehaushalte ausgewiesen. EU-weit beträgt der Anteil der Ein-Personen-Haushalte rund 30 Prozent. Bei Personen über 65 Jahren liegt der Anteil sogar bei 40 Prozent.

LE.NA "lebendige Nachbarschaft" versteht sich seit 2018 als Anstoß- und Erprobungsraum, um Menschen wieder zu mehr aktiven Kontakten zu verhelfen und das Lebensumfeld für die wichtige soziale Aufgabe einer sorgetragenden Gemeinschaft zu motivieren und zu befähigen. Dies können z.B. neue BesucherInnen-Teams sein oder niederschwellige Begegnungsräume ohne Konsumzwang, wo Menschen in ihren Ressourcen gestärkt werden, indem sie neben Gesprächen auch einen Zugang zu Information, Beratung oder weiterführenden Hilfsangeboten erhalten.

Hospiz Vorarlberg
„Wir sind auf dem richtigen Weg“, davon ist auch Karl Bitschnau, Leiter von Hospiz Vorarlberg, überzeugt. Vor 1,5 Jahren bezogen im Hospiz am See die ersten Gäste ihre Zimmer. Im vergangenen Jahr fanden 98 Gäste dort ihr letztes Zuhause. „Trotz widriger Umstände fühlen sich die Gäste und Angehörige hier sehr wohl“, schließt Karl Bitschnau aus den vielen positiven Rückmeldungen. Somit ist das Hospiz am See ein Leuchtturm und Inspirationsort für andere Betreuungseinrichtungen im Land.
Von rund 3.000 Menschen, die pro Jahr in Vorarlberg sterben, wird rund ein Drittel von einem der sechs regionalen Hospiz-Teams oder vom Hospiz-Team für Kinder begleitet. Rund 400 Sterbenskranke wurden vom Mobilen Palliativteam mitbetreut. Damit leistet Hospiz Vorarlberg wichtige Arbeit für die Versorgung sterbender Menschen in Vorarlberg.