Sozialpaten-Geschichte

07.10.19 / 14:18

Strahlende Kinderaugen und ein besonderer Taxidienst

Sandra, eine syrische Frau, ca. 30 Jahre alt, macht ein betrübtes Gesicht und klagt über Rückenschmerzen. Als Mama von vier Kindern, die zwei kleinsten sind Zwillinge, wächst ihr die Arbeit im Haushalt und die Erziehung der Kinder über den Kopf.

Fehlende Unterstützung
Sandra ist es nicht gewohnt, alles allein zu machen, hatte sie in Syrien ihre gesamte Familie zur Unterstützung, nicht einmal ums Kochen und Essen musste sie sich kümmern. Jetzt, hier in Vorarlberg, ist sie ganz auf sich allein gestellt. Der älteste Junge ist in der Vorschule, ein Mädchen im Kindergarten, die Zwillinge zu Hause und ihr Mann im Deutschkurs oder auf der Suche nach Arbeit. Die Zwillinge wollen beschäftigt und unterhalten werden.

Beschäftigung für die Zwillinge
Der Fernseher ist auch keine Dauerlösung, also suchen wir einen Platz in einer Spielgruppe. Da es mitten unterm Jahr ist, mach ich mir keine großen Hoffnungen. Aber Fragen kostet nichts und siehe da, es stellt sich heraus, dass in der nahegelegenen örtlichen Spielgruppe zwei Plätze frei sind. Die Kinder dürfen zweimal in der Woche in die Spielgruppe gehen. Es werden Patschen und Rucksäcke gekauft und ungeduldig warten die Kinder auf den ersten Besuch.

Ein besonderer Taxidienst
Es ist für mich zwar ein kleiner Umweg, aber für die lachenden Kinderaugen nehme ich das gerne in Kauf. Mit den Kindersitzen im Auto chauffiere ich die Mädchen bis vor die Spielgruppe, helfe ihnen in der Garderobe, ein kurzes Tschüss und schon sind sie mit Spielen und Basteln beschäftigt. Sandra kann die freie Zeit nun für sich nützen und sucht den Kontakt zu anderen Frauen oder geht einfach einmal in die Stadt einen Kaffee trinken.

Umzug in den Nachbarort
Oje, die Familie zieht um in einen Nachbartort, aber den Platz in der Spielgruppe möchten wir alle nicht aufgeben. Also führt mich mein Weg zu meiner Arbeitsstelle ein paar Kilometer weiter über den Nachbarort und zurück zur Spielgruppe. Jeden Dienstag und Donnerstag stehen die Mädchen in freudiger Erwartung vor dem Haus, hüpfen und klatschen, wenn sie mein Auto sehen.
Viel zu schnell geht die Zeit vorbei, es kommen die Sommerferien und im Herbst dürfen die Mädchen in den Kindergarten im Ort gehen und brauchen kein Taxi mehr. Die strahlenden Kinderaugen und lachenden Gesichter werden mir immer in Erinnerung bleiben, wenn ich mit dem Auto an ihrem neuen Wohnort vorbeifahre.