Nichts ist mehr wie es war

29.10.19 / 13:15

Wenn Kinder oder Jugendliche lebensbedrohlich erkranken oder Angehörige von ihnen im Sterben liegen, verändert sich das Leben der ganzen Familie. In diesen schweren Zeiten ist das Team von „HoKi – Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche“ für die Familien da. Einfühlsam unterstützen und beraten sie, wenn alles aus den Fugen gerät.

Max ist sieben Jahre alt. Wenn er seine Mama fragt, wann seine kleine Schwester Lilly wieder aus dem Krankenhaus nach Hause darf, sagt sie ihm offen, dass sie das selbst nicht weiß. Sie hofft aber, dass dies schon bald sein wird. Die dreijährige Lilly hat Leukämie. Diese Erkrankung hat das gesamte Familienleben verändert. Viele Sorgen und Ängste haben Einzug gehalten und belasten alle. Für Max bleibt einfach nicht mehr so viel Zeit, da die Mutter oft im Krankenhaus bei Lilly bleibt, um ihr in schwierigen Phasen beizustehen. HoKi-Begleiterin Maria ist in dieser Zeit ein „Engel“ für die Familie. Manchmal bleibt sie bei Lilly im Krankenhaus, damit Frau M. einfach mal aus dem Krankenhaus-Alltag hinauskommt und auch für Max ist sie da, spielt mit ihm und gibt Halt in schwierigen Zeiten.

Ein Anker in stürmischen Zeiten
„Wenn ein Kind lebensbedrohlich erkrankt, kann kein Familienmitglied so weiterleben wie zuvor. Alle sind betroffen und alle leben plötzlich in einem Spannungsfeld voller Ängste, Hoffnungen und einer großen Last, die im Raum steht, auch wenn nicht darüber gesprochen wird“, weiß HoKi-Koordinatorin Beatrix Berthold. „Kinder spüren viel und sind oft nicht in der Lage, alles zu verstehen. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die zuhören und für sie da sind.“
Kleine Kinder wissen noch nicht, was es bedeutet, wenn jemand stirbt. Für sie bleibt dies unvorstellbar. Und alle Kinder und Jugendlichen haben ihre ganz eigene Art mit Trauer, Krankheit und Sterben umzugehen. Kindern fehlen oft die Worte. Sie drücken ihre Trauer manchmal in einer Art aus, die für Erwachsene unverständlich ist. Auffälliges Verhalten, Wut, Weinen, Lachen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder beispielsweise unerklärliche Ängste können sich zeigen. Auch für Jugendliche, die sich ohnehin schon in einer herausfordernden Umbruchphase ihres Lebens befinden, ist Trauer oft ein schwer auszuhaltender Schmerz. „Was Kinder und Jugendliche in dieser Zeit wirklich brauchen, sind Verständnis, Zuwendung und geschützte Räume“, so Beatrix Berthold.

Trauertreffs für Kinder
„Mit den Trauertreffs in der Natur haben wir diese speziellen Räume für Kinder im Volksschulalter geschaffen“, sagt Beatrix Berthold. „Kreativ und spielerisch finden Gefühle hier ihren Ausdruck – auch ohne Worte. Kinder haben noch einen direkten Zugang zu dem, was die Natur erfahrbar macht. Ein Baum kann Halt geben, der weiche Waldboden tragen … Ein weites Feld der Entdeckungen wartet darauf, erkundet zu werden. Mit Spiel, Spaß, Geschichten und Freiraum für kleine Forscherinnen und Forscher. Bei einer Jause ergeben sich Gespräche oder auch ein gemeinsames Schweigen. Was kommt, darf sein. Die Gemeinschaft und die Verbundenheit ist das Tragende. Vielleicht ein wenig Trost und Geborgenheit in einer Zeit, die Angst, Tränen und Unsicherheit mit sich bringt.“ Und besonders wichtig ist ihr dabei: „Die Kinder sind willkommen, mit ihrer ganz speziellen Trauer und dem, was sie im Moment gerade mitbringen.“ Und manches Mal nehmen die Kinder nicht nur die sinnlichen Anregungen des Waldes im Herzen mit nach Hause. Es kann auch sein, dass Stock und Stein oder ein Waldgeist mit nach Hause will.

Zahlen und Fakten
Im Jahr 2018 wurde das Hospizteam von 29 ehrenamtlichen HoKi-BegleiterInnen und einer hauptamtlichen Koordinatorin getragen. Das Team war 2.370 Stunden im Einsatz. 72 Familien wurden dabei in ganz Vorarlberg begleitet.

Info zu Hospizbegleitung für Kinder

Beatrix Berthold
Mehrerauerstraße 72 , 6900 Bregenz
M 0676 88420-5112
T 05522 200-1112
E hospiz.kinder(at)caritas.at
Mo - Fr 09:00 - 12:00 Uhr