Mehr Platz für Mütter mit Kindern

29.10.19 / 14:36

Kinderarmut ist nicht so sichtbar, weil die Eltern meist alles daran setzen, wenigstens ihre Kinder die Not nicht spüren zu lassen. Laut Statistik Austria lebt in Österreich fast jedes fünfte Kind in dramatisch prekären Verhältnissen. Kinder, die in Armut aufwachsen, haben weniger Chancen auf eine gute Bildung und in Folge später auf eine entsprechend gut bezahlte Arbeitsstelle.
Im Monat November setzen wir als Caritas einen speziellen Schwerpunkt auf Armut hier in Vorarlberg. Und wir setzen konkrete Maßnahmen, um Not hier im Land entgegenzuwirken. Dabei nehmen wir speziell Kinder in den Blick.

Jedes Kind, das in Vorarlberg in Armut aufwachsen muss und dem dadurch Chancen verschlossen bleiben, ist ein Kind zu viel. „Das Land Vorarlberg hat sich mit der Neupositionierung der `Marke Vorarlberg´ vorgenommen, unser Land bis 2035 zum chancenreichsten Lebensraum für Kinder zu machen. Dieses Vorhaben fordert vor allem das Engagement für jene Kinder, die es aufgrund ihrer Ausgangssituation schwerer haben“, so Caritasdirektor Walter Schmolly.

Die Realität zeigt, dass es hier noch viel zu tun gibt

•    So haben sich in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 2.458 Haushalte in ihrer größten Verzweiflung an die Beratungsstelle „Existenz&Wohnen“ gewandt. Primäre Themen sind dabei die Existenzsicherung sowie der prekäre Wohnungsmarkt. Mit betroffen sind 1.922 Kinder.

•    28 Mütter mit insgesamt 38 Kindern haben von Jänner bis Anfang Oktober dieses Jahres nach Krisensituationen ein vorübergehendes Zuhause im „Haus Mutter&Kind“ gefunden. Im vergangenen Jahr gab es eine Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kleinfamilien finden dort in stürmischen Zeiten einen Anker, bis sich ihre Situation wieder stabilisiert.

•    260 Kinder verbessern in den 9 Lerncafés in Dornbirn, Lustenau, Lauterach, Wolfurt, Götzis, Rankweil, Nenzing, Feldkirch und Bludenz ihre schulischen Noten, verbringen miteinander einen Teil ihrer Freizeit und werden auch in ihrer Sozialkompetenz gefördert.

In Vorarlberg sind circa 10.600 Mütter alleinerziehend, zusammen mit den Kindern sind es etwas weniger als 10 Prozent der Bevölkerung. Für diese Familien ist das Risiko, in die Armutsfalle zu geraten, besonders hoch. Der Anteil der Alleinerziehenden mit Armutsrisiko beträgt rund 40 Prozent. Armut bedeutet für Betroffene, am Monatsende zu entscheiden, ob sie sich etwas zu essen kaufen oder die Wohnung heizen sollen. Armut bedeutet für Familien, einen großen Teil des Einkommens für Wohnen und Energie auszugeben. Zusätzliche und unerwartete Ausgaben sind nicht zu schaffen. Armut bedeutet für Kinder, in feuchten, schimmligen Zimmern zu schlafen und zu spielen. Armut grenzt Menschen aus, schmälert die Entwicklungschancen von Kindern und macht Angst vor dem Morgen.

„Einen speziellen Fokus legen wir in unserer Arbeit auf die am stärksten armuts- und ausgrenzungsgefährdete Gruppe – nämlich die der Alleinerziehenden. Mindestens jede dritte Alleinerzieherin ist arm oder von Armut bedroht“, betont Fachbereichsleiter Michael Natter, dass Betroffene vor großen Herausforderungen sowohl im Familien-, als auch im Berufsleben stehen. Kernprobleme seien neben dem täglichen Lebenskampf mit einer materiellen Existenzsicherung auch die Schwierigkeit, leistbaren Wohnraum zu finden. Hier haben Alleinerziehende klar schlechtere Chancen, gute Wohnlösungen zu finden. Und schließlich nennt Michael Natter auch fehlende, beziehungsweise erschwerte Zugangsmöglichkeiten zu leistbaren und bedarfsgerechten Kinder- und Schülerbetreuungsangeboten. „Die Kinder sind die schwächsten Glieder in der Gesellschaft. Wir brauchen eine Unterbrechung der sozialen Vererbung von Armut, da sind wir als gesamte Gesellschaft gefordert.“

Doris Müller leitet das „Haus Mutter&Kind“ in Feldkirch. Die Hilfe für die momentan zwölf Frauen mit ihren 17 Kindern  – ein weiteres Baby kommt im Dezember auf die Welt – zielt darauf ab, die Lebenssituation der jungen Familien zu ordnen und zu schauen, welche Schritte gesetzt werden müssen. „Es geht darum, Ressourcen zu aktivieren und den Lebensmut der Frauen wieder zu stärken“, erzählt die Stellenleiterin. „Geht es der Mama gut, profitieren auch die Kinder davon.“

Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger wünschen sich faire Chancen für jedes Kind


Caritasdirektor Walter Schmolly ist sich sicher, dass „die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sich wünschen, dass jedes Kind in unserem Land faire Chancen hat. Die Menschen sind auch bereit, sich in diesem Sinne für ein Miteinander in Vorarlberg zu engagieren, das gerade benachteiligten Kindern hilft. Das wissen wir aus tagtäglichen Gesprächen, aber auch aus Befragungen“. Die wachsende Kluft
zwischen Armen und Reichen besorgt viele. Entsprechend hoch ist die Erwartung, dass dieser Entwicklung entgegengetreten wird. Die Menschen wünschen sich ein gutes soziales Netz, das insbesondere Familien soziale Sicherheit gibt, und sie wünschen sich, dass jedes Kind so unterstützt wird, dass es Chancen und Perspektiven für eine gute Zukunft entwickeln kann.

Das zeigt sich auch in der Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren. Für die Caritas ist dier Einsatz von Freiwillige gerade auch in diesem Bereich unverzichtbar: So sind beispielsweise in den Lerncafés 68 und im Haus Mutter&Kind 10 Freiwillige tätig, als SozialpatInnen unterstützen insgesamt 267 Frauen und Männer Familien in Krisensituationen.

Auch die Politik ist in der Pflicht

„Das Thema nimmt auch die politisch Verantwortlichen in die Pflicht. Dass tausende Kinder keine fairen Chancen haben und ihre Potenziale nicht entfalten können, das wollen die Menschen nicht und das kann sich eine Gesellschaft auch nicht leisten. Man muss hier gar nicht die großen Themen wie den sozialen Frieden bemühen, es reicht schon der Blick auf den Fachkräftemangel in den Unternehmen. Konkret sind die neue Bundes- und Landesregierung gefordert in der Ausgestaltung der Sozialhilfe, der Weiterentwicklung des Bildungssystems im Sinne der sozialen Mobilität, bei der Ermöglichung von leistbarem Wohnraum aber auch von leistbarem und gesundem Essen für jede Familie und jeden Haushalt.“ Gerade der Blick auf Kinder und Familien zeige, wie sehr soziale, ökologische und wirtschaftliche Fragen ineinander greifen und eine sinnvolle Entwicklung nur im Zusammenklang dieser drei Bereiche möglich ist, so Walter Schmolly. “Was die Kinder anbelangt, ist die untere Kante dadurch markiert, dass die grundlegenden Rechte und die erforderlichen Ressourcen allen Kindern gewährt werden“, verweist der Caritasdirektor auf die UN-Kinderrechte, die vor 30 Jahren beschlossen wurden und in denen allen Kindern ein Recht auf genügend Nahrung, Schutz, Bildung und Geborgenheit gesichert wird.

Die Bitte zu helfen

„Die Armut und Armutsgefährdung von Kindern mitten in unserem wohlständigen Land fordert uns alle“, so Caritasdirektor Walter Schmolly. In diesem Sinne setzt die Caritas Vorarlberg in den nächsten Monaten besondere Schwerpunkte. Dazu zählen der Ausbau der drei neuen Lerncafé-Standorte in Feldkirch, Bludenz und Wolfurt und die geplante Erweiterung des „Haus Mutter&Kind“. „Der wachsenden Zahl von Kindern aus Familien, die in unseren Beratungsstellen ‚Existenz und Wohnen‘ vorsprechen, werden wir zusätzlich zur Sozialberatung auch mit finanziellen Überbrückungshilfen unter die Arme greifen müssen. Damit all das möglich ist, bitten wir die Bevölkerung um Unterstützung durch Spenden und wir sind unendlich dankbar für Menschen, die sich als Freiwillige engagieren.“

„Ihre Spende wirkt!“ - So können Sie helfen:

Kennwort „Inlandshilfe: IBAN AT32 3742 2000 0004 0006
Online-Spenden: www.caritas-vorarlberg.at