Beziehung über Barrieren hinweg

02.12.19 / 13:49

Melanie Corn und Wolfgang Neuwirth sind ein Paar. Ein glückliches noch dazu. Was die beiden von anderen Paaren unterscheidet? Eigentlich kaum etwas – ihre Beziehung erlebt genauso Höhen und Tiefen, wie bei allen anderen Menschen auch. Und dennoch haben sie auf Grund ihrer Beeinträchtigung manche zusätzliche Hürde zu bewältigen.

Zu Besuch bei Melanie (39) und Wolfgang (52). Die Wohnung in Bludenz ist gemütlich, alles liegt an seinem Platz, die beiden genießen nach einem anstrengenden Arbeitstag ihren Feierabend. Melanie kennt man aus dem „Sprungbrett-Lädele“ der Caritas, zudem arbeitet sie im SeneCura Sozialzentrum Bludenz. Wolfgang ist seit 25 Jahren im Interspar Bürs beschäftigt. „Außerdem organisiere ich die integrative Disco der Caritas“, vermerkt er stolz.

Vor vier Jahren sind sich die beiden nähergekommen. „Ich schätze an Wolfgang, dass er so hilfsbereit und liebevoll ist. Auch wenn ich mal auf 180 bin, bleibt er immer die Ruhe selbst. Ich fühle mich bei ihm beschützt und geborgen“, schwärmt Melanie Corn von „ihrem“ Wolfgang. Auch umgekehrt gibt es liebevolle Worte: „Ich mag Melanies ruhige Art und dass sie sehr humorvoll ist“, beschreibt Wolfgang sein „Herzblatt“. Sie haben klare Vorstellungen von ihrer Beziehung. „Wir verbringen gerne unsere Freizeit miteinander und fahren auch zusammen in Urlaub.“ Melanie wird an zwei Tagen pro Woche von „Leben in Selbständigkeit“ der Caritas in jenen Bereichen unterstützt, wo sie Hilfe braucht. „Ich kann mit all meinen Fragen zu meinen Assistenten kommen, die mir immer weiterhelfen.“ So konnten Melanie und Wolfgang auch das Zusammenleben in einer gemeinsamen Wohnung erproben. „Wir haben aber schnell gemerkt, dass es für uns wichtig ist, dass jeder seinen Rückzugsort hat“, lachen die beiden. „Vor allem weil Wolfgang sehr genau ist und ich etwas chaotisch“, ergänzt Melanie.

Zuneigung, Vertrauen, Liebe

Jeder Mensch sehnt sich nach Zuneigung und Liebe. Menschen mit Beeinträchtigung wird dies oftmals nicht zugestanden. „Angehörige möchten hier besonders beschützen und vergessen leicht, dass Menschen mit Beeinträchtigungen sexuelle Bedürfnisse haben“, weiß auch Carmen Drexler vom Caritas-Fachbereich „Assistenz und Teilhabe“. Was für Melanie und Wolfgang nun selbstverständlich ist, bleibt für viele Menschen mit Beeinträchtigung eine kaum überwindbare Barriere.

Die Caritas hat deshalb im Herbst einen Schwerpunkt  `Liebe und so Sachen´ mit Vortrag, Filmpräsentation und einem Kennenlern-Abend für Singles gesetzt. Als nächster Programmpunkt referiert Johannes Staudinger am Dienstag, 10. Dezember, zum Thema „Schlafende Hunde weckt man nicht“. Beginn des Vortrags, zu dem Angehörige, Fachpersonen und Erwachsenenvertreter eingeladen sind, ist um 19 Uhr im „Zäwas“ (Kirchgasse 8)