„Die internationale Gemeinschaft darf Haiti nicht vergessen!“

09.01.20 / 16:26

Am 12. Januar 2010 wurde Haiti von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,0 auf der Richterskala erschüttert. 10 Jahre nach dem Erdbeben in Haiti kann die Caritas auf eine beispiellose Katastrophenhilfe zurückblicken, dennoch ist die Lage noch immer prekär, wie Robert M. Moosbrugger von der Caritas Auslandshilfe im Interview berichtet.


    
Zehn Jahre seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti. Damals gab es eine große Welle der Hilfsbereitschaft auch vieler Vorarlberger SpenderInnen. Was haben die Spendengelder von damals ermöglicht?

Robert M. Moosbrugger: Diese Naturkatastrophe forderte am meisten Menschenleben im bisherigen 21. Jahrhundert. Das Erdbeben hat eine völlig unvorbereitete und verarmte Bevölkerung getroffen und hat innerhalb von wenigen Minuten hunderttausende Menschleben ausgelöscht. In dieser apokalyptischen Situation war Haiti auf internationale Solidarität und Hilfsbereitschaft angewiesen. Die Caritas Österreich hat damals sehr schnell reagiert. Rund 90.000 Menschen Menschen – oder anders gesagt 18.000 Familien - wurden in den ersten Monaten nach dem Erdbeben mit medizinischer Hilfe, Essen, sauberem Wasser, Küchen- und Hygienesets sowie Material für Notunterkünfte in Zusammenarbeit mit lokalen Projektpartnern versorgt. Weniger als 12 Monate nach dem Erdbeben konnten die ersten Familien in erdbebensichere Häuser einziehen, die von der Caritas unter Einbeziehung der Bevölkerung gebaut worden sind. Insgesamt hat die Caritas Österreich im Rahmen der Erdbebenhilfe in Haiti 428 neue Häuser gebaut und 500 vom Erdbeben beschädigter Häuser renoviert. Zudem wurde eine Volkschule für 1200 Kinder im Elendsviertel Cité Soleil in Port au Prince mit Hilfe der Caritas wiederaufgebaut  und ein Wohnheim für 150 Mädchen errichtet. Die Spendengelder von 2010 haben so tausenden von Familien geholfen, die Folgen des Erdbebens zu bewältigen.



Einen speziellen Fokus legte die Hilfe der Caritas dabei auf Projekte, die Kindern zugute kommen?

Robert M. Moosbrugger: Kinder brauchen einen besonderen Schutz nach Naturkatastrophen und die Caritas sieht es als ihre Aufgabe an, den Kindern so schnell als möglich eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. Dabei ist die Schulbildung von größter Bedeutung. Unzählige Schulen wurden in Haiti durch das Erdbeben zerstört. Im Rahmen der Nothilfe hat die Caritas den Bau von 15 temporären Klassenräumen unterstützt. 2013 hat die Caritas Österreich mit einem großangelegten Projekt zur Verbesserung der Schulbildung in einem schwer vom Erdbeben betroffenen Gebiet begonnen. Dieses Projekt wurde bis zum heutigen Tag weitergeführt und hat tausenden Kindern eine verbesserte Schulbildung ermöglicht.


 
Wie präsentiert sich das Land heute? Die Situation ist ja nach wie vor schwierig …

Robert M. Moosbrugger: Leider ist Haiti eines der Länder auf unserem Planeten in dem kein Fortschritt im Lebensstandard der Bevölkerung in den letzten Dekaden zu sehen ist. Das Land ist geplagt von regelmäßigen Naturkatastrophen und politischer Instabilität. Viele Menschen im Land sehen keine Zukunft für sich und sehen den einzigen Ausweg darin, das Land zu verlassen.



Ist Hilfe von außen nach wie vor wichtig?

Robert M. Moosbrugger: Ja. Ohne Hilfe von außen ist derzeit nicht absehbar wie eine positive Entwicklungsspirale in Gang kommen könnte. Die internationale Gemeinschaft darf Haiti nicht vergessen. Wichtig ist, dass vor allem in Projekte für Kinder und Schuldbildung sowie in Projekte zur Katastrophenvorsorge investiert wird.  

Hilfe für Haiti

Spendenkonto: Raiffeisenbank Feldkirch IBAN AT32 3742 2000 0004 0006
Kennwort: Hilfe für Haiti
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