Werte.Dialog der Caritas - "Von den Wertvorstellungen in der österreichischen Verfassung"

24.02.20 / 16:11

Sind eigentlich Werte in Österreich auch gesetzlich verankert? Ausreichend? Dieser Frage widmete sich die Rechtswissenschaftlerin Maria Bertel (Universität Innsbruck) bei der Auftaktveranstaltung des Werte.Dialogs der Caritas aus juristischer Perspektive.


Organisator Jonathan Jancsary, bei der Caritas Vorarlberg zuständig für Grundlagenarbeit,  begrüßte die rund 40 Zuhörer*innen und leitete ins Thema ein: Die Werte.Dialoge der Caritas wollen einen offenen und generationsübergreifenden Diskurs über die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Miteinanders anstoßen – deshalb ist auch der Wirk.Raum der ideale Ort für solche Gespräche. Obwohl der Begriff „Werte“ verstaubt und wie aus einem vorherigen Jahrhundert klingt, hat sich auch im Jahre 2020 nichts daran geändert, dass unsere Handlungen und unser Zusammenleben von Haltungen und Werten geprägt sind. Oft passiert dies allerdings unbewusst und unauffällig: Die Werte.Dialoge wollen deshalb sowohl sozialpolitische und wirtschaftliche als auch kulturelle Wertvorstellungen aus dem Schatten auf die Bühne holen und genauer beleuchten.


Den Anfang dazu machte Frau Dr.in Maria Bertel von der Universität Innsbruck, die in ihrem Vortrag betonte, dass Werte in der österreichischen Verfassung meist nicht explizit erwähnt werden, sondern dass sich diese aus den unterschiedlichen Gesetzen und deren Grundhaltungen erschließen.

Dennoch ist zum Beispiel der Wert des Umweltschutzes konkret in der Vorarlberger Landesverfassung festgeschrieben. Der Umweltschutz ist auch ein Staatsziel in der österreichischen Verfassung. Durch neu eingeführte Zielbestimmungen der Bundesregierung konkurrierende Werte - etwa Umweltschutz mit dem Wert „Wirtschaftsstandort Österreich“. Die Diskussion um die dritte Piste des Flughafens Wien Schwechat, die im Laufe der Diskussion erwähnt wurde, sei ein weiteres Beispiel, so Maria Bertel.

 

Werte in der Verfassung sind und bleiben aber etwas sehr Abstraktes. Sie müssen vor allem gelebt werden und sie sind, bis zu einem gewissen Grad, auch stets Interpretationsspielräumen ausgesetzt. Durch den Verfassungsgerichtshof sind zwar Gesetze einklagbar, aber gerade auf der Ebene der Werte sei dies sehr schwer möglich. Die Veranstaltung endete mit einem regen Austausch und der grundsätzlichen Erkenntnis, dass sowohl die österreichische Verfassung als auch die Landesverfassung von Vorarlberg einem wesentlich mehr über ein gelingendes Zusammenleben verraten, als man es zunächst meinen würde.


Werte.Dialog der Caritas: Die nächsten Termine:

Donnerstag, 19. März
 „Ökonomische Werte kann ich leicht messen; und wie ist es mit ethischen Werten? Eine Auseinandersetzung.“
Dr. Falko E.P. Wilms, Hochschullehrer und Berater FH Dornbirn)

Mittwoch, 15. April
„Über den Wert und den Unwert von Indentität(spolitik) – eine kulturkritische Reflexion“.
Sama Maani, Schriftsteller und Psychoanalytiker

Dienstag, 12. Mai
„Widerstand als Wert? Was kann dies psychoanalytisch bedeuten?“
Astrid Engl, Psychotherapeutin und Sozialpädagogin, Universität Innsbruck

Beginn:           jeweils 19 Uhr
Wo:                WirkRaum Dornbirn, Bahnhofstraße 9
Eintritt:            Freiwillige Spenden für Kinder in Not
Anmeldung:    Jonathan Jancsary, werte.dialog(at)caritas.at; T 05522-200 1031