„Krise belastet die Schwächsten massiv“

14.04.20 / 10:50

Christian Beiser, Leiter der Caritas-Beratungsstelle Existenz&Wohnen, über aktuelle Herausforderungen

 

Wie soll jemand in der momentanen Situation zuhause bleiben, wenn er gar kein Zuhause hat? Wie die soll ein Kind sich den Lernstoff beibringen, wenn der Internetzugang fehlt und die Wohnung zu winzig ist für konzentriertes Lernen? Selbst einfache Probleme wachsen den Menschen jetzt schnell über den Kopf, blickt Christian Beiser, Leiter der Beratungsstelle Existenz&Wohnen, mit Sorge auf die aktuellen Entwicklungen. 

 

„Gestern war beispielsweise eine Frau bei uns, die einen Antrag stellen musste und die dafür notwendigen Kopien nirgendwo machen konnte. Der Copyshop hat als Alternative geschlossen, ebenso die Gemeinden. Oft ist es das ganz Einfache, das momentan zur großen Herausforderung werden kann“, erzählt Christian Beiser aus dem Alltag. „Während andere Menschen größere Mengen an Lebensmitteln einkaufen, um möglichst wenig einkaufen gehen zu müssen, fehlt unseren Klientinnen und Klienten oft das Geld, um überhaupt Vorräte anlegen zu können.“ Auch wenn die Zahl der Hilfesuchenden wegen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen noch nicht angestiegen sei, stehen uns seiner Einschätzung nach noch massive Herausforderungen bevor. „Menschen, die ihren Job verloren haben, leben jetzt noch kurze Zeit von ihren Reserven, ehe sie verstärkt auf Hilfe von Außen angewiesen sind.“

 

Notschlafstelle „ausgebucht“

Bereits seit Wochen fast immer voll belegt ist die Notschlafstelle. „Wir haben seit Beginn der Corona-Krise auf 24-Stunden-Betrieb umgestellt“, berichtet Stellenleiter Christian Beiser. „So können die Frauen und Männer auch tagsüber hier bleiben und die Ausgangsbeschränkungen auch als wohnungslose Menschen befolgen. Das Einhalten spezieller Hygienemaßnahmen klappt problemlos.“ Schwierig sei es momentan hingegen, Folgelösungen für die Zeit nach der Notschlafstelle zu finden. „Es ist derzeit schlicht unmöglich, richtige Alternativen zu schaffen.“

 

Wer Hilfe braucht: T. 05522/200-1700 (Mo – Fr, 8 bis 12), E. beratung(at)caritas.at

Wer helfen möchte: #Team Nächstenhilfe, T. 05522/200-4000 (Mo – Fr, 8 bis 12), E. teamnaechstenhilfe(at)caritas.at

Hospiz-Line: T. 0676/884205115, E. hospizline(at)caritas.at (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr)

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