Suchtfachstellen der Caritas: Anker in stürmischen Zeiten

14.04.20 / 15:43

Sucht hat viel mit Flucht zu tun: Der Flucht vor schwierigen Situationen im Leben, egal ob aktuell oder weit zurückliegend. Ausnahmesituationen, wie wir sie momentan durch die Corona-Krise erleben, erschweren den familiären und therapeutischen Umgang mit suchterkrankten Menschen zusätzlich. Die Caritas Suchtfachstelle ist auch jetzt für ihre Klient*innen da. Meist ohne physische Nähe, aber mit viel Professionalität und Engagement.

 

In den Suchtfachstellen der Caritas häufen sich momentan die telefonischen Anfragen. Fachbereichsleiterin Monika Chromy erzählt das Beispiel einer Anruferin: „Nach langer Überzeugungsarbeit war ihr Mann endlich so weit, eine Therapie zu machen. Jahre voller Kummer, Sorgen und Nöte sind dem vorausgegangen, bis er endlich verstand, dass er Hilfe benötigt. Nun hat sie Angst, dass alles umsonst war, weil er momentan die Therapie nicht antreten kann.“ Es gibt auch zum jetzigen Zeitpunkt verschiedene Hilfestellungen, die die Suchtfachstellen anbieten können: „Trotz der Krise ist es möglich, Vorhaben umzusetzen und das Konsumverhalten positiv zu verändern“, so Monika Chromy. Voll belegt ist auch die  Wohngemeinschaft  der Caritas Suchtfachstelle, in der derzeit sechs Menschen leben. 

 

Unterstützung anbieten und Krisen abwenden

„Wenn jemand bereits vorher einen kritischen Umgang mit Suchtmitteln pflegte, könnte diese Situation zu einer Eskalation führen. Einsamkeit, Isolation oder fehlende Tagesstruktur zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit kann zu zunehmendem Konsum bis hin zu Suizidalität führen, aber auch zu Aggressionen oder Gewalt in Familien. Deshalb sehen wir uns jetzt in dieser schwierigen Zeit noch mehr gefordert, Unterstützung anzubieten und Krisen abzuwenden“, erklärt die Fachbereichsleiterin. Klientinnen und Klienten, die schon länger betreut werden, brauchen teilweise sehr viel Ansprache und Unterstützung. 

 

Offene Türen

Auch das Caritas Café hat weiterhin für jene Menschen geöffnet, die wohnungslos sind oder auf Gesundheitsangebote wie Spritzentausch und Safer-Use-Maßnahmen angewiesen sind. „Für Obdachlose gibt es auch jetzt noch das übliche grundversorgende Angebot: Aufenthalt, Getränke, warmes Essen, Hygieneangebote. Als Streetworker und Streetworkerinnen besuchen wir Plätze, an denen sich unsere Klientinnen und Klienten aufhalten: neben der Vermittlung der geltenden Regelungen zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona Virus geht es vor allem auch ums Kontakthalten, Zuhören, Da-sein in dieser auch für Menschen an den Rändern schwierigen Zeit“, weiß Peter Wieser, Stellenleiter vom Caritas Café in Feldkirch. 

 

So hilft die Caritas

Die Mitarbeiter*innen sind unter der DW 1700 und beratung@caritas.at für Betroffene und Angehörige erreichbar. „Sucht ist ein sehr schambehaftetes Thema und ist daher verborgen, will geheim gehalten werden. Wir möchten weiterhin Ansprechpartner für die Nöte der betroffenen Menschen sein“, so Monika Chromy abschließend.