365 Tage im Einsatz für das Miteinander

03.06.20 / 13:00

Eine Gesellschaft hat nur dann ein solides Fundament, wenn auf das Miteinander gut geachtet wird. Davon ist die Caritas Vorarlberg überzeugt. Im Rahmen eines Pressegesprächs, bei dem auch der druckfrische Wirkungsbericht präsentiert wurde, gab Caritasdirektor Walter Schmolly einen Überblick über die speziellen Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt.

 

„Eine Krise ist eben immer auch ein Brennglas, unter dem sich das Wichtige vom weniger Wichtigen scheidet. Das Miteinander in unserer Gesellschaft ist kein Selbstläufer. Es braucht immer aufs Neue das Wollen und das Tun von ganz Vielen“, betont Caritasdirektor Walter Schmolly gerade auch mit Blick auf die Corona-Erfahrungen, dass dieses Miteinander in Vorarlberg zwar „einen gut gepflegten Boden hat, der aber bewirtschaftet werden muss, damit er fruchtbar bleibt“.

Viele leisten dazu ihren Beitrag. Auch die Caritas. „Die Nagelprobe für das Miteinander sind Situationen, in denen jemandem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, in denen Selbstverständlichkeiten und Sicherheiten zerbrechen und die Perspektiven für die Zukunft verloren gehen. Gerade in solchen Situationen sollen Menschen wissen, dass sie auf die verlässliche Hilfe der Caritas zählen können.“

 

Der Caritas-Einsatz für das Miteinander in unserer Gesellschaft bezieht mehrere Ebenen ein:

Ein langfristig tragfähiges Miteinander setzt erstens eine entsprechende Werte-Basis voraus. Im Kern geht es dabei darum, dass ein gutes Leben für alle Menschen möglich sein soll. Die Caritas hat im vergangenen Jahr zwei Aspekte stark ins Zentrum gerückt: Einerseits die Chancengerechtigkeit für alle Kinder und zum andern die globale Fairness in unserem Essenskonsum (Ausstellung „Wir essen die Welt“).

Die zweite Ebene ist das Tun. Das Miteinander ist ein „Tun-Wort“. Etwas vom Wirksamsten für die Stärkung des Miteinanders ist das Freiwilligen-Engagement. Im vergangenen Jahr haben 892 Caritas-Freiwillige 101.654 Einsatzstunden (oder umgerechnet 63 Arbeitsjahre) geleistet. Deren Wirkung ist unersetzlich und unbezahlbar. Die Sorge für Menschen in unterschiedlichen Bedürfnis- und Notlagen bedarf darüber hinaus aber natürlich auch hauptamtlicher sozialer Dienste. Der Beitrag der Caritas umfasst dabei das Leben in sehr vielen Facetten: von der Wiege im Haus Mutter&Kind über die Lerncafés bis zur Bahre im Hospiz am See, von der Förderung lebendiger Nachbarschaft über pfarrliche und sozialräumliche Initiativen bis hin zur Hilfe in Äthiopien oder Mosambik, von der Unterstützung von Familien in finanziellen Notlagen über die Unterbringung von geflüchteten Menschen und Projekten für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen oder die Suchtberatung bis hin zur Begleitung von Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Vier Zahlen aus 2019:

  • Die Caritas hat im vergangenen Jahr 2.575 Haushalte mit 5.464 Personen in existenziellen Nöten aufgefangen – umgerechnet fragten also täglich im Schnitt 22 Hilfesuchende neu an,
  • 691 am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen konnten in diversen Projekten gestärkt und gefördert werden,
  • 1.385 Menschen mit Suchtproblemen und –erkrankungen wurden begleitet,
  • 1.317 Menschen wurden durch die Caritas-Hospizarbeit in ihrer letzten Lebensphase begleitet.

Eine weitere Ebene, die es für ein funktionierendes gesellschaftliches Miteinander braucht, sind gute Rahmenbedingungen für dieses Miteinander. Dazu zählen heute neben dem Sozialstaat vor allem auch Orte und Formate des Dialogs. Die Caritas ist dabei, mit dem „WirkRaum Miteinander“ dafür einen ganz speziellen Ort zu entwickeln.

 

Schwerpunkte im laufenden Jahr

„Das laufende Jahr ist in der Caritas natürlich durch die Corona-Situation und die damit verbundenen sozialen Themen geprägt. Aus unserer tagtäglichen praktischen Arbeit wissen wir, was Menschen gerade in dieser Krise belastet. Letztlich geht es um zwei große Themen, nämlich um soziale Absicherung - insbesondere für Familien - und um Zuversicht, also um Zukunftsperspektiven“, so Caritasdirektor Walter Schmolly.

Er hob dabei zwei Anliegen hervor:

  • Es gibt eine gar nicht kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen wird. Mehrere Studien zeigen auf, dass durch das Homeschooling die Chancenungleichheit unter den Kindern und Jugendlichen deutlich zunimmt. Wir sind als gesamte Gesellschaft in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, dass diese jungen Menschen durch die Krise jetzt nicht den Anschluss verlieren und zurückbleiben.“ Die Caritas tue dies durch zusätzliche Angebote in den Lerncafés, mit der Ausweitung des Jugendarbeitsprojektes startbahn sowie der vielfältigen Hilfe für Familien in Notlagen.


  • Thema Mindestsicherung: „Wenn es um die soziale Absicherung geht, dann ist von besonderer Bedeutung, wie das unterste soziale Netz ausgestattet ist, also die Mindestsicherung. Mit Blick auf den nun vorliegenden Entwurf für ein neues Vorarlberger Sozialhilfegesetz ist einzumahnen, dass jedes Kind in einer Familie dem Land gleich viel wert sein soll und dass auch jeder Mensch mit legalem Aufenthaltsrecht im Land gleich viel wert ist. Für beides muss der Entwurf dringend angepasst werden“, appelliert der Caritasdirektor.