Notschlafstelle der Caritas Vorarlberg: Wenn das Zuhause fehlt …

12.10.20 / 09:51

Wohnungslosigkeit ist auch in Vorarlberg ein Thema. Durch die Corona-Krise hat sich die Lage der wohnungslosen Menschen noch mehr verschärft. Leistbaren Wohnraum zu finden, ist für viele eine schlichtweg unmögliche Hürde. Der internationale Tag der Obdachlosen am 10. Oktober rückt Menschen ins Zentrum, die meist an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

 

1.486 Übernachtungen wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 in der Caritas-Notschlafstelle am Feldkircher Jahnplatz gezählt, 161 Klient*innen fanden dort vorübergehend eine Unterkunft. Gerade während der zweieinhalb Monate des Lockdowns von Mitte März bis Ende Mai war die Notschlafstelle fast immer voll belegt. „Wir haben in der Corona-Krise auf einen 24-Stunden-Betrieb umgestellt“, berichtet Caritas-Stellenleiter Christian Beiser. „So konnten die Frauen und Männer tagsüber hier bleiben und die Ausgangsbeschränkungen auch als wohnungslose Menschen befolgen. Das Einhalten spezieller Hygienemaßnahmen klappte dabei problemlos.“

 

Die Zeit in der Notschlafstelle wird dabei bestmöglich genutzt, um längerfristige Wohnlösungen für die Klient*innen zu finden. Keine Wohnung mehr zu haben, bedeutet fast immer das Ende sozialer Beziehungen und ein Bruch in der Entwicklung persönlicher Identität. „Dem wirken wir gezielt und möglichst rasch entgegen“, so Christian Beiser. Durch psychosoziale Betreuung, Beratung und Interventionen sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche werden die individuelle Lebenssituation stabilisiert und konkrete Lösungsansätze gesucht. Schwierig sei es momentan hingegen, Folgelösungen für die Zeit nach der Notschlafstelle zu finden. „War es schon vor der Corona-Krise nicht einfach, so ist es derzeit nahezu unmöglich, richtige Alternativen zu schaffen und leistbaren Wohnraum zu finden.“

 

Die Probleme der Hilfe suchenden Menschen sind meist so individuell, wie sie selbst. Das können Trennungen vom Partner, Schwierigkeiten im Elternhaus, Suchtprobleme, Wegeweisungen, Mietrückstände oder psychische Probleme sein. „Wir haben auch Gäste in der Notschlafstelle, die untertags arbeiten gehen. Sie haben zwar ihre Wohnung, nicht aber ihren Job verloren“, berichtet Christian Beiser. Was sich aber wie ein roter Faden durch das Thema zieht, ist die schwierige Suche nach leistbarem Wohnraum. Die Lösung ist deshalb aus Sicht der Caritas auch nicht jene, zusätzliche Betten in Notschlafstellen zu schaffen, sondern Maßnahmen zu setzen, die Menschen mit geringem Einkommen ein menschenwürdiges Wohnen ermöglichen. 

 

Kontakt Notschlafstelle der Caritas in Feldkirch

Jahnplatz 4, T. 05522/200-1200