Wie viele Ohren haben sechs Katzen?

09.11.20 / 08:02

Lokalaugenschein im Caritas Lerncafé Götzis. Neun Kinder sitzen hier - aufgeteilt auf verschiedene Räume unter Einhaltung aller Corona-Vorschriften – gemeinsam mit ihren Betreuer*innen vor ihren Büchern. Dabei rauchen schon mal die Köpfe, denn nicht immer ist sofort klar, wieviel Ohren zum Beispiel sechs Katzen haben.

 

Bereiten diese scheinbar einfachen Aufgaben schon mal Kopfzerbrechen bei den jüngeren Kindern, so „quälen“ sich zum Beispiel Anna und Seden durch die Mathe-Aufgaben der Mittelschule. „Walter hilft mir immer, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Seitdem ich regelmäßig mit ihm lerne, werden auch meine Noten immer besser“, freut sich die 13-jährige Anna über ihren Erfolg. Bereits seit vier Jahren büffelt der engagierte Pensionist Walter hier im Lerncafé mit den Kindern über den Mathe-Aufgaben und ist mit viel Begeisterung und Überzeugung dabei: „Ich finde es sehr lustig, mit den beiden jungen Damen hier zu lernen und habe Seden bereits durch die gesamte Mittelschule begleitet.“ Man kennt und schätzt sich, das ist gerade zwischen diesen drei Menschen spürbar – es wird gelacht, gescherzt, aber natürlich vor allem gelernt. Und Walter scheint auch ein Vorbild für die beiden Jugendlichen zu sein. Für ihn ist sein Engagement aber ganz selbstverständlich: „Für mich ist das hier eine sinnvolle Beschäftigung, so nach dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.“

 

Hier ist es super!

Auch Melisa und Yaren fühlen sich in der positiven Atmosphäre im Lerncafé richtig wohl. Die beiden Mädchen haben sich hier kennengelernt und sind zwischenzeitlich gute Freundinnen. Melisa hat vor allem Probleme in Deutsch, verbesserte sich nun aber durch die regelmäßige Unterstützung im Lerncafé von einem Vierer auf einen Dreier: „Das Lerncafé rettet mein Leben“, sagt die 13-Jährige etwas theatralisch und strahlt dabei ihre Freundin an.

Begeistert sind die beiden Mädchen auch von Praktikant Niklas, der über das „Public-Service-Programm“ des Gymnasiums Rebberggasse in Feldkirch 30 Stunden als zusätzliche Unterstützung aushilft: „Ich wollte unbedingt etwas mit Kindern machen und freue mich, dass ich nun bis Juni hier mitarbeiten kann. Ich finde es wichtig, den Kindern und Jugendlichen zu helfen, denn manche tun sich einfach schwer in der Schule, können sich aber keine Nachhilfe leisten. Diese Einrichtung hier ist super“, freut sich der 15-jährige Gymnasiast über seine Aufgabe.

 

Schulfach Glück!

„Wir sind froh über die Unterstützung von Niklas, denn wir betreuen derzeit 32 Kinder und Jugendliche hier im Lerncafé Götzis, haben aber nur drei freiwillige Helferinnen und Helfer, sowie einen Zivildiener“, so Beatrix Schreiber, Koordinatorin des Lerncafés Götzis. Die Corona-Pandemie macht es zusätzlich auch nicht einfacher für Eltern, Schüler*innen und dem Team vom Lerncafé. 

„Homeschooling war und ist für viele Kinder eine echte Herausforderung und vor allem Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher hatten oft Schwierigkeiten in dieser Zeit“, weiß die engagierte Pädagogin, die derzeit auch noch eine Ausbildung zur diplomierten Sozialpädagogin macht und deren Lieblingshemen das „Schulfach Glück“ ist.

 

Mehr als „nur“ lernen!

Die Lerncafés bieten derzeit 312 Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 14 Jahren, deren Eltern sie nicht ausreichend unterstützen können, ein geeignetes Lernumfeld. Ganz wichtig ist Stellenleiterin Bea Bröll dabei, dass die Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden. Das hilft ihnen später, besser durchs Leben zu kommen. Auch die Eltern finden jederzeit ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Anliegen.

 

Derzeit werden für alle neun Lerncafé-Standorte in Vorarlberg noch freiwillige Helfer*innen gesucht, die die Schüler*innen unterstützen möchten.

 

Nähere Informationen bei

Nicole Nachbaur

T 0676 88420 4044, E nicole.nachbaur(at)caritas.at