Corona: Und wer fragt die Kinder?

19.11.20 / 15:15

Am 20. November ist internationaler Tag der Kinderrechte. Unter dem Motto „Maske runter und Mund auf! Jetzt reden Kinder und Jugendliche selbst!“ lud das Netzwerk Kinderrechte Österreich zu einer österreichweiten digitalen Pressekonferenz. Mit dabei auch zwei Jugendbotschafterinnen der Caritas-Auslandshilfe.

 

„In Österreich kommen Kinder und Jugendliche in Politik und Öffentlichkeit kaum zu Wort, noch weniger in der aktuellen Corona-Krise. Auch die Kinderrechte befinden sich im Lockdown“, machte Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez vom Netzwerk Kinderrechte Österreich gleich zu Beginn bewusst und übergab dann das virtuelle Mikrofon gleich den Kindern und Jugendlichen, damit sie erzählen, wie sie ihren Alltag momentan erleben und welche Wünsche sie an die Erwachsenen haben.

 

„Ich stehe in der Früh auf, setze mich an den Computer, teilweise bis in den späten Nachmittag und auch am Wochenende“, erzählt beispielsweise Jugendbotschafterin Carmen, dass zwar Lernen in Zeiten des Lockdowns von Seiten der Schule gut organisiert ist, aber es für Lehrer oft schwierig ist, das richtige Maß an Online-Präsenz und Hausübungen zu finden. „Ich habe glücklicherweise ein eigenes Zimmer und einen eigenen Computer, das erleichtert das Lernen wesentlich.“ Im Austausch mit Gleichaltrigen erlebt sie, dass viele junge Menschen sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Positiv empfindet die 16-jährige, dass die Zeit zuhause auch dafür genutzt wird, um neue Talente zu entdecken – so erzählt die Jugendbotschafterin, dass sie in letzter Zeit vermehrt wieder zeichne und sogar mit Kuchenbacken begonnen hat. Ihr Wunsch an die Erwachsenen: Mehr Klarheit in der Kommunikation. „Das betrifft unter anderem auch die Schule, dass wir beispielsweise wissen, wie sich Noten in Corona-Zeiten zusammensetzen.“

 

Als zweite Vertreterin aus Vorarlberg schilderte Jugendbotschafterin Julia von der Herausforderung in größeren Familien, in Home-Office für alle einen ruhigen Lern- beziehungsweise Arbeitsplatz in der Wohnung zu finden. „Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich weniger lerne, obwohl ich mehr am Computer sitze als ich normalerweise in der Schule bin.“ Positiv empfindet sie, dass technische Geräte im Schulalltag vermehrt im Einsatz sind. „Es wäre gut, wenn man die Vorteile der Digitalisierung auch in Zeiten nach dem Lockdown schulisch vermehrt nutzt.“

 

Bildungssysteme im Lockdown
Auch Nico Kantner, Projektleiterin der Jugendbotschater*innen, kennt die die Probleme der Jugendlichen: „Wie viel Druck und Selbstorganisation den Kindern und Jugendlichen im Lockdown auferlegt wird, wird leider total unterschätzt. Viele sind mit den Lernaufträgen völlig überfordert, was leider viel zu wenig Gehör und Aufmerksamkeit findet. Zumindest gibt es bei uns in Österreich Alternativen für Unterricht. Was wir beim Thema Kinderechte nicht vergessen sollten: In anderen Ländern befindet sich nicht nur die Schule, sondern mangels Internet und technischem Equipment das ganze Bildungssystem im Lockdown!“

 

Insgesamt erzählten Kinder und Jugendliche aus insgesamt fünf Bundesländern von ihrem momentanen Alltag. Was in den Berichten immer wieder zu hören war: Sie haben großes Verständnis für die gesetzten Maßnahmen, vermissen aber dennoch den Kontakt zu Freunden, die Klassengemeinschaft und den Ausgleich, den beispielsweise Sport und andere Hobbys bieten. Vor allem wollen sie auch gehört und in ihren Anliegen ernst genommen werden. Dafür setzen sich die Jugendbotschafter*innen der Caritas Auslandshilfe das ganze Jahr über ein.

 

 

Infos: https://www.caritas-vorarlberg.at/spenden-helfen/auslandshilfe/engagieren/jugendbotschafter/