Ziel 7: Bezahlbare und erneuerbare Energie

Jede Person soll Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher und nachhaltiger Energie haben.

Um Strom zu bekommen, verbrennt man in großen Kraftwerken „fossile Energien“ wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. So Strom zu produzieren, macht den Klimawandel schlimmer, weil dabei mehr CO2 (Kohlenstoffgas) entsteht. Der radioaktive Abfall aus Atomkraftwerken bedroht uns Menschen und die Natur zusätzlich, weil seine tödliche Strahlung noch viele hunderte Jahre in die Zukunft bestehen bleibt.

Immer mehr Länder setzen auf „erneuerbare Energien“ und erzeugen Strom mit Windrädern, Wasserkraft oder Solarzellen. Dabei entsteht kein CO2 und keine gefährliche Strahlung und diese Energien wird es immer geben. Zudem kann die Hitze tief in der Erde (Geothermie) genutzt werden.

 

SOLshare: Solarstrom für die Nachbarschaft

Das Social Startup SOLshare ermöglicht Menschen in ländlichen Gegenden Bangladeschs über Micro-Grids den Zugang zu günstigem und sauberem Strom – und schafft für sie eine zusätzliche Einkommensquelle.

Das nationale Stromnetz in Bangladesch ist permanent überlastet. Täglich kommt es zu Stromausfällen, zum Teil für mehrere Stunden. Als Alternative werden dann oft Dieselgeneratoren oder Kerosinlampen eingesetzt. Aber die sind teuer und gesundheitsschädigend. Und noch immer sind viele Millionen Menschen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – nicht einmal am zentralen Stromnetz angeschlossen. Weil sie in zu entlegenen, ländlichen Gegenden leben oder weil sie es sich schlicht nicht leisten können.

Nichtsdestoweniger ist Bangladesch ganz weit vorn in Sachen Energiewende und dezentraler Energieversorgung: Rund 5 Millionen Haushalte dort haben ein eigenes kleines Solarsystem, aus dem sie Strom beziehen. Das Social Startup SOLshare nutzt dies, um noch mehr Menschen mit Strom zu versorgen. Mit seiner IoT-Technologie, sogenannten SOLboxes (bidirektionale smarte Stromzähler), verbindet das Unternehmen Haushalte miteinander – solche, die bereits Solarsysteme besitzen und solche, die noch keinen Zugang zur Stromversorgung haben.

Sauberen Strom kaufen - und verkaufen

So entsteht eine Peer-to-Peer-Handelsplattform: Haushalte können ihren überschüssigen, ungenutzten Strom innerhalb des Micro-Grids an die Haushalte verkaufen, die keinen Stromzugang haben. Oder sie können bei höherer Nachfrage, wenn sie z.B. einen Laden betreiben, zu einem erschwinglichen Preis Strom von ihren Nachbarn kaufen.
Das Bezahlsystem funktioniert über das Mobiltelefon: Eine mobile App ist mit dem System verbunden und misst automatisch und in Echtzeit, wenn der überschüssige Strom ins Mikronetz fließt, man also damit Geld verdient. Das Guthaben dafür bekommt man dann auf dem Telefon gutgeschrieben und kann damit sogar Lebensmittel einkaufen.

Lydia Skrabania, 2017

 

Kaffee rösten mit Sonnenschein

Kaffeebauern verdienen oft viel zu wenig an ihrem Produkt. In Peru stellt ein Startup ihnen nun eine solarbetriebene Technologie zur Verfügung, mit der sie selbst zu Kaffeeröstern werden und so ihr Einkommen erheblich steigern können.

Kaffeebauern stehen am Beginn der Wertschöpfungskette: Sie liefern meist nur den Rohstoff, die Kaffeebohnen. Und bekommen von den Gewinnen dann nur einen kleinen Bruchteil ab. In Peru, wo Kaffee das wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnis ist, gibt es jetzt eine Lösung, die die Farmer ermächtigen und ihnen die Möglichkeit geben soll, selbst den letzten Schritt in der Produktionskette durchzuführen – und damit ihr Einkommen deutlich zu steigern.
Das Startup Café Compadre stellt den Bauern eine Technologie zur Verfügung, mit der sie ihre Kaffeebohnen selbst rösten können. Der Clou: Die Lösung nutzt dabei die Energie-Ressource, die den Farmern ohnehin weithin zur Verfügung steht – die Sonne.

Kaffee zu 100 Prozent solar-geröstet

Die Lösung bündelt mit Hilfe eines Scheffler-Reflektors Sonnenstrahlen und richtet sie auf eine rotierende Trommel, in der sich die Kaffeebohnen befinden. An einer Seite ist die Trommel geöffnet, damit durch den Röstprozess entstehende Gase und Feuchtigkeit entweichen können, welche die Qualität andernfalls beeinträchtigen würden. Die Trommel rotiert mit Hilfe eines kleines Photovoltaik-Rotationssystems, das eine gleichmäßige Röstung ermöglicht.

Zwischen 15 und 25 Minuten dauert es, um ein Kilo Kaffeebohnen auf diese Weise zu rösten.  Dabei verbraucht die Solar-Lösung fünfmal weniger Energie als konventionelle Röstvorrichtungen. Das robuste Gerät ist zu 100% solarbetrieben, kann leicht demontiert und so auch gut in ländliche Gebiete transportiert werden. Die Technologie ist außerdem gut skalierbar, das Ganze kann also auch so konstruiert werden, dass damit größere Mengen an Kaffeebohnen geröstet werden können.
Eine innovative Low-Tech-Lösung, die auf nachhaltige Weise das Leben in Entwicklungsländern verbessert.             Lydia Skrabania, 2016

 

Das „SDG-Forum Vorarlberg“

 

Nachhaltigen Lösungen Schubkraft geben

Grundanliegen der Caritas für das SDG

Drei Grundanliegen, die die Caritas mit dem SDG Forum verbindet:

 

1. Es braucht in unserer Gesellschaft jetzt dringend das substanzielle Gespräch, wie wir

künftig leben und das Miteinander gestalten wollen. In dieses Gespräch müssen

konstitutiv auch die Jugendlichen und junge Menschen einbezogen werden.

2. In einem Zukunftsgespräch muss heute vor allem die Balance zwischen Ökologie,

Sozialem und Wirtschaft kontinuierlich verhandelt werden. Diese drei Bereiche müssen

sich den Herausforderungen gemeinsam stellen, miteinander lernen und

Gestaltungsperspektiven entwickeln. Nachhaltigkeit ist letztlich nichts anderes als dieses

Miteinander. Dieser Dialog der Nachhaltigkeit gehört heute mit aller Kraft intensiviert.

3. Weil der Weg nach vorne nur von vielen Akteuren gemeinsam gestaltet werden kann,

braucht es gemeinsame Grundperspektiven, auf die sich alle beziehen können. Die UN-

Nachhaltigkeitsziele (SDG)

eignen sich als ein solcher Bezugsrahmen und müssen deshalb breit erschlossen werden.

SDG-Forum Vorarlberg:

Für die Zukunft setzt sich das offene und breit angelegte SDG Forum das Ziel, viele

junge Menschen in Vorarlberg und viele Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft in

ihrem Anliegen, nachhaltige Entwicklungen voranzubringen, zu unterstützen.

Durch Nutzen zahlreicher Kommunikationskanäle wollen wir die Bekanntheit der SDG in

wichtigen Zielgruppen stärken und Multiplikator*innen und Entscheidungsträger*innen für

die Anwendung dieses Referenzsystems zu gewinnen.

Informationen zum „SDG- Forum Vorarlberg“ Programm:

claudio.tedeschi@caritas.at

 

 

 

„Fuel efficiency stove“

Bei einem unserer Besuche in Meki lernten wir Fitale kennen. Sie ist verheiratet und hat 3 Kin-der.

Mit ihrer Mitgliedschaft in der SILC- Spargruppen und der damit verbundenen Ausbildung konn-te sie ihren eigenen Business-Plan erstellen und leitet seither einen kleinen Getränkeausschank in ihrem Compound. Mit den umgerechnet 9 Cent pro Flasche deckt sie allerlei anfallende Un-kosten ab.

Durch ihr Erspartes war sie auch imstande, einen „Injera Ofen“ mitzufinanzieren.

(Anteil der Unterstützung: 200 Birr für das Ofengestell;

Eigenmittel: 150 Birr für die Injera-Kochplatte und den zugehörigen Deckel)

Der „Fuel efficiency Stove“ hat den Vorteil, dass er nur 50% Brennholz benötigt, weniger Ver-brennungsgefahr (Kinder!) besteht, sich im Raum wenig Rauch entwickelt und somit die Lungen verschont. Außerdem hält er in der Regenzeit die Hütte gleichmäßig warm.

 

 [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Ab Mitte der 2020er werden laut Mobilitätsforschern 15 Prozent der Neuwagen in Deutschland elektrisch betrieben sein – das sind 15 bis 20 Millionen neue Elektroautos im Jahr 2025. Diese gelten als umweltfreundlich, sauber und nachhaltig und damit als Alternative zu herkömmlichen Fahrzeugen, die durch ihren CO2-Ausstoß schlecht für die Umwelt sind und zudem mit fossilem Erdöl angetrieben werden.

Dass die Elektroautobatterien /Akkus  aber auch spezielle Metalle wie Kobalt oder Lithium benö-tigen, ist vielen nicht bewusst. Allein die Automobilindustrie im Jahr 2035 wird laut Schätzungen 122.000 Tonne Kobalt für die Akkus von Elektrofahrzeugen benötigen, dessen Gewinnung aber häufig auch umweltschädlich ist und unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen abbauen. Nicht selten sind an der Förderung Kinder beteiligt.

Beim Abbau von Kobalt im Kongo lassen sich zwei Arten unterscheiden:

1. Die Gewinnung aus industriellen Minen: Da die industriellen Minen allerdings hauptsächlich in chinesischer Hand liegen und vergleichsweise wenige Arbeitsplätze für Einheimische schaffen, wächst die Armut in der Region trotz des Rohstoffreichtums.

Deshalb versuchen die Menschen vor Ort ihr Glück in ihren eigenen illegalen Minen.

2. Die Gewinnung aus illegalen Kleinbergwerken: Menschen arbeiten in tiefen engen Schächten, ohne Sicherung, ohne Mundschutz, oft barfuß. Täglich gibt es Unfälle und Menschen werden lebendig unter den Erdmassen begraben.

Zudem müssen sie Unmengen des giftigen Kobaltstaubes einatmen, was zu dauerhaften Lungen-schäden führt!

Deshalb steht Kinderarbeit im Kobaltgeschäft an der Tagesordnung.

Bis zu 12 Stunden am Tag müssen Minderjährige für einen Lohn von ein bis zwei Euro durch-schnittlich arbeiten!

Teilweise verbringen sie im Alter von 12 Jahren 24 Stunden in den Tunneln.

UNICEF schätzt, dass im Jahr 2014 ungefähr 40.000 Jungen und Mädchen in Minen im Süden der Demokratischen Republik Kongo arbeiten mussten, viele davon, um Kobalt zu gewinnen. Diese Form der Kinderarbeit zählt nachweislich zu den schlimmsten Formen weltweit.

Kobalt ist das Mineral, das auch in Lithium-Ionen-Batterien von Laptops und Smartphones be-kannter Hersteller zum Einsatz kommt.

Elektronikhersteller wie Apple, Samsung und Sony versäumten es auszuschließen, dass von Kin-dern gefördertes Kobalt aus dem Süden des Kongos in ihren Geräten verarbeitet werde, heißt es in einem Amnesty-Bericht.

Seit kurzem gibt es ein Zertifizierungssystem für Coltan im Osten des Kongos. So kann ein „sau-berer“ Ursprung der Rohstoffe entlang der gesamten Lieferkette belegt und gewährleistet wer-den. Für die großen, industriellen Minen ist ein derartiges System vergleichsweise unkompliziert und deshalb gut umsetzbar. Das Problem sind die illegalen Minen des Kleinbergbaus, die durch ein solches Siegel weitgehend vom Markt ausgeschlossen werden.

 

Für die Zukunft der Elektroautos denkbar sind außerdem Lithium-Ionen-Akkus, die komplett ohne Kobalt auskommen. Bis zu dem Zeitpunkt, bis kobaltfreie Akkus hergestellt werden, sind aber die Automobilhersteller in der Verantwortung, Menschenrechtsverletzungen und Kinderar-beit in ihren Lieferketten zu unterbinden und zu verhindern.

Ökologischeres Fahren in Ländern wie Österreich kann keinesfalls mit der Ausbeutung von Men-schen in Entwicklungsländern gerechtfertigt werden!