Larissas Weg in die Hospizarbeit

Larissa Fleisch (23) ist aktuell die jüngste Hospizbegleiterin Vorarlbergs. 

Ob Spielplatz, Ausflug oder gemeinsames Spielen: Wenn Larissa Fleisch eine Familie aus dem Vorarlberger Oberland besucht, freuen sich die beiden Mädchen jedes Mal riesig. Ihre Mutter ist schwer erkrankt, der Vater berufstätig. Seit kurzem engagiert sich die 23-Jährige ehrenamtlich bei HOKI (Hospiz für Kinder und Jugendliche) und verbringt einmal pro Woche einen Nachmittag mit den Kindern, um ihnen eine unbeschwerte Zeit zu schenken. Ihr junges Alter kommt ihr dabei zugute. „Die Mädels spielen oft ein Quiz mit mir, bei dem es um verschiedene Marken geht. Da kann ich ganz gut mithalten“, erzählt sie mit einem Lächeln.

Zu ihrem ehrenamtlichen Engagement kam die Feldkircherin über ihr Studium der Erziehungswissenschaften. Durch ein Seminar über „Tod und Sterben im Kindesalter“ und ihre Bachelorarbeit vertiefte sie sich erstmals in das Thema. Daraus entstand der Wunsch, sich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch mit der Thematik zu beschäftigen. 

Als jüngste von insgesamt 20 Teilnehmenden schloss sie im Juli dieses Jahres den Befähigungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen ab. Die Ausbildung umfasste Themen wie Sterben, Tod, Trauer und Palliative Care sowie Fachvorträge, Supervisionen und Exkursionen.

Auch beruflich setzt sich Larissa Fleisch für Menschen in herausfordernden Lebenssituationen ein. Seit mehreren Jahren arbeitet sie in der WG Vinzenz in Bludenz, einer Einrichtung der Caritas für Menschen mit Beeinträchtigungen. Kurz nach Abschluss ihres Studiums im Jahr 2026, das sie neben ihrem Job absolvierte, übernahm sie dort die interimistische Leitung.

In der WG erlebte sie vor kurzem, was es bedeutet, einen Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten. Eine Bewohnerin erkrankte im Mai schwer. Als sich ihr Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte, bot sie an, sie bis zuletzt zu begleiten. „Ich war bei ihr, bis sie ihren letzten Atemzug gemacht hat“, erzählt sie tief berührt. Auch nach ihrem Tod blieb sie an ihrer Seite. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin wusch und kleidete sie die Verstorbene an. „Ich finde, das ist die letzte Ehre, die man einem Menschen erweisen kann.“

Die Erfahrungen haben ihren Blick auf das Leben nachhaltig verändert. Vieles, was im Alltag oft selbstverständlich erscheint, schätzt sie heute bewusster. Gleichzeitig hat sie gelernt, die kleinen Freuden des Alltags bewusster wahrzunehmen und zu genießen, sei es ein gutes Buch, ein Kaffee mit Freundinnen oder eine Ausfahrt mit dem Rennrad.

Ihr Engagement bei Hospiz Vorarlberg erlebt sie als sinnstiftende und berührende Aufgabe. Durch Supervisionen und den engen Austausch mit den hauptamtlichen Mitarbeiter*innen fühlt sie sich fachlich unterstützt und gut begleitet. Ihr wird viel Wertschätzung von den Eltern entgegengebracht und die Freude der Kinder bestärkt sie darin, mit ihrem Einsatz etwas Positives bewirken zu können.
 

Larissa Fleisch möchte ihren Weg in diesem Bereich weitergehen. Derzeit studiert sie den Masterstudiengang Soziale Arbeit an der FH in Dornbirn und plant bereits den Besuch eines Aufbaukurses für Hospizarbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Dass sich eine 23-Jährige so intensiv mit Tod und Sterben beschäftigt, erstaunt viele. „Junge Menschen denken oft, dass sie das Thema nicht betrifft, weil es noch so weit entfernt erscheint“, sagt sie. Gerade deshalb möchte sie Berührungsängste abbauen. Ihr Appell: „Ich kann allen nur empfehlen, diesen Kurs zu machen. Man lernt nicht nur, andere Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten, sondern auch viel darüber, was im Leben wirklich wichtig ist.“

Hinweis: Hospiz Vorarlberg sucht sowohl für HOKI (Hospiz für Kinder und Jugendliche) als auch für die Begleitung von Frauen und Männer laufend Personen für dieses wertvolle Ehrenamt. Interessierte werden in einem Befähigungskurs auf die Aufgabe vorbereitet. Kontakt: hospiz(at)caritas.at